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Das Weg-Wort - Werktagsgedanken aus der Bahnhofkirche Zürich
 

Bruchstuecke

Wegwort vom 18. August 2018

Es war meine Lieblingsschale, mit vielen Erinnerungen behaftet. Vorsichtig nehme ich sie in die Hand um das gute Stück wieder einmal zu reinigen. Da passiert es: die Schale rutscht mir aus den Händen und zerbricht. Da stehe ich nun vor einem Scherbenhaufen und kann es nicht fassen.

Eine Freundin erzählt mir von einem Atelier, welches aus den einzelnen Teilen wieder ein Ganzes herstellt. Und tatsächlich, als ich mein gutes Stück abhole traue ich meinen Augen nicht: die einzelnen Teile der Schale waren wieder zusammengefügt, und die Bruchlinien waren vergoldet. Es sah edel aus, gar nicht wie geflickt.
Haben wir nicht manchmal auch das Gefühl im Leben vor einem Scherbenhaufen zu stehen? Wie oft heisst es dann: ich habe alles falsch gemacht. Aber haben wir uns auch schon überlegt, dass die Scherben unseres Lebens zusammengefügt werden und uns zu dem kostbaren Menschen machen, der wir nun sind? Nicht alles ist umsonst, nicht alles Scheitern ist Versagen, es ist nicht immer meine Schuld wenn etwas nicht klappt. Aber jedes Scheitern, jedes Versagen, jeder missratene Versuch macht mich um eine Erfahrung wertvoller. Narben des Lebens sind nicht hässlich und auch die Narben der Seele können mich zu einem strahlenden Menschen machen.
Wenn auf unseren Brüchen und Narben Gold erscheint und unser Leben als ein neues Kunstwerk erscheint, sprechen wir von Gnade, dann hat Gott seine Finger im Spiel, denn vor ihm sind wir auch als Gezeichnete wertvoll. Nichts Bruchstückhaftes ist ihm fremd, denn schliesslich ist Gott Mensch geworden.

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Geändert: 16.08.2018
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