Lo tignov - stiehl nicht

Wegwort vom 14. November 2017

Kurz und bündig steht es in der Bibel, Zutrauen und Erwartung zugleich. Zwei Eigenheiten möchte ich erwähnen. Die eine teilt sich das Gebot mit den andern. Sie sind immer noch notwendige und auch notwendende Grundregeln und haben ihre Aktualität nicht verloren. Die andere ist, dass das Wort auch in unsere Sprache eingewandert ist: Ganove versteht jeder und jede. Ob er uns Zeit stiehlt oder Geld, ob er Arbeitsplätze stiehlt oder mit Schmiergeldern Aufträge, gestohlen bleibt gestohlen und deshalb bleibt Ganove auch Ganove. Meinen wir? Dass gestohlen gestohlen bleibt, das ist so, aber muss ein Dieb immer ein Dieb bleiben?

Gott traut uns das "Stiehl nicht" zu. Er traut uns nämlich zu an einer Gesellschaft zu bauen, in der niemand mehr dieser Versuchung ausgesetzt sein muss. Aber bis dahin gilt nicht nur das Zutrauen, sondern auch die Erinnerung, die Ermahnung, die Aufforderung, das Gebot.
Die 10 Gebote haben ja etwas Grundsätzliches an sich, sie sind die Basis für gelingendes Zusammenleben in einer grösseren Gemeinschaft. Es sind nicht einfach nur Gesetzesartikel, sie haben auch diese ethisch-moralische Dimension, die jedem Gesetzesparagraphen abgeht. Darum können Gesetze auch umgangen werden, oder es können Schlupflöcher gefunden werden. Es fehlt ihnen die Aura, die das Gebot hat.
Wir können, wie bei den Panama-Papers damals und bei den Paradise-Papers heute sagen: Nicht alles, was gesetzlich nicht verboten ist, ist ethisch-moralisch richtig.

Darum wirkt das biblische "Stiehl nicht" viel weiter und es richtet sich an jeden und jede. Es ist wichtig für uns als Gesellschaft, dass wir im persönlichen, wie auch im wirtschaftlichen und politischen Alltag uns durch solche Gebote im täglichen Handeln leiten und auch korrigieren lassen. Gewinn ist nämlich nicht alles. Guter Gewinn trägt das Label: In keiner Weise gestohlen.

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