Ansehen

Wegwort vom 13. Juni 2018

Mich hat vor ein paar Tagen ein Pfarrer mit seiner Morgenandacht am Radio angesprochen. Seine Gedanken möchte ich Ihnen mit meinen Worten weitergeben:

Nikolaus von Kues wurde 1452 zum Bischof von Brixen ernannt. Kurz danach erhielt einen Brief eines befreundeten Abtes vom Tegernsee:
Kannst Du mir helfen? Kannst Du den Mönchen in meinem Kloster vermitteln, wie man sich Gott vorstellen kann?

Der Bischof schickte ihm eine Christusikone und legte einen Brief bei. Er schrieb:
Befestigt diese Ikone an einer Wand. Alle Brüder sollen sich um die Ikone herum aufstellen und sie anschauen.
Jeder von Euch wird, die Erfahrung machen, dass er allein von Christus angeschaut wird, ganz egal wo er steht.
Ihr werdet sicher staunen und Euch fragen: Wie ist es möglich, dass die Ikone zugleich alle und jeden einzelnen anschaut?
Tauscht danach Eure Plätze. Ihr werdet erfahren, dass der Blick genauso auf Euch gerichtet ist wie vorher. Wohin Ihr auch geht: Der Blick der Ikone wird immerzu mit Euch weitergehen.

Nikolaus von Kues hatte Recht behalten. Die Brüder begriffen nach und nach: Christus schaut jeden einzelnen so an, als ob er nur ihn persönlich meint: Suchend, liebend. Das tat gut.

Faszinierend: Ansehen bekommen wir dadurch, dass wir liebevoll angeschaut werden. Das gibt uns das Gefühl jemandem etwas zu bedeuten.
Das gibt uns die Gewissheit, geliebt zu sein.

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