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Jööö-Effekt

Wegwort vom 12. September 2017

Kleine Kinder sind süss. Erwachsene haben dann auch die Tendenz - zum Beispiel im Tram – mit kleinen Kindern zu reden. So weit so gut. Wenn dann Erwachsene, wildfremde kleine Kinder anfassen müssen weil sie so niedlich sind, finde ich es nicht mehr süss. Wen wunderst, dass die lieben Kleinen dann auch manchmal rebellieren. So wollte das kleine Mädchen dem fremden Mann partout nicht winken als dieser Ausstieg.

Eine Station später sagt der Vater, jetzt steigen wir auch aus, packt das Kind und setzt es in den Kinderwagen. Das war der jungen Dame nun doch zu viel. Sie brüllt wie am Spiess, das ganze Tram dreht sich nach dem irritierten Vater und seinem Kind um. Plötzlich fanden die Leute im Tram das Kleine nicht mehr gar so süss, der Jöö-Effekt war dahin, denn nun manifestierte sich der eigene Wille des Kindes, es liess sich nicht mehr wortlos manipulieren, weder vom fremden Mann anfassen, noch vom eigenen Vater in den Kinderwagen sperren.

Was dem Kind wiederfahren ist, geschieht oft auch Erwachsenen. Sie erdulden zuerst viel, ducken sich vielleicht, getrauen sich nicht sich zu wehren, wollen akzeptiert sein. Und dann der berühmte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt: Eine Bemerkung, ein Ereignis und die Person explodiert. Erwachsene schreien nicht im Tram rum, aber sie reagieren auch, wenn die Schwelle zur eigenen Persönlichkeit überschritten wird.
Wo ist meine Grenze? Wieviel Fremdbestimmung ertrage ich? Wo ist es auch gut sich führen zu lassen? Was tut MIR gut?

Das Kind im Tram war wohl im Kinderwagen sicherer als auf seinen kleinen Beinchen, aber sich von fremden Männern anfassen lassen muss es nicht auf sich sitzen lassen.
Im richtigen Moment NEIN sagen, im richtigen Moment zur eigenen Meinung stehen macht stark und kann einer Überreaktion vorbeugen.
Ich bin froh hat das Kind sich bemerkbar gemacht, es lernt noch zur eigenen Meinung zu stehen, es wird lernen, wann es richtig ist zu rebellieren und wann andere Menschen

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Geändert: 12.09.2017
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