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Kairos

Wegwort vom 9. November 2018

In der griechischen Mythologie stand der Halbgott Kairos für den günstigen Zeitpunkt, den es rechtzeitig zu ergreifen galt. In der Kunst wurde er als glatzköpfiger Jüngling mit einem Haarschopf auf der Stirn dargestellt. Wer also den richtigen Zeitpunkt verpasste und die Gelegenheit nicht beim Schopf packte, der fasste am blanken Hinterkopf nur noch ins Leere. Man musste also konzentriert sein, um den richtigen Augenblick zu erwischen um nicht leer auszugehen, eben um die Gelegenheit beim sprichwörtlichen Haarschopf zu erwischen.

In den biblischen Erzählungen geht es oft auch um den richtigen Augenblick etwas zu tun – oder zu lassen. Jesus fordert uns immer wieder auf, nicht den guten alten Zeiten nachzutrauern, sondern den richtigen Zeitpunkt zu erkennen – und dementsprechend zu handeln.
Aber wie oft hängen wir Vergangenem nach, starren auf das, was einmal war, schwelgen in nostalgischem Rückblick: Als die Kinder noch zu Hause waren, als die Kirchen am Sonntag noch voll waren, als die Landschaft noch weniger verbaut war etc.
Im Zurückschauen verpassen wir aber die Gegenwart und die Zukunft. Das erlebten auch die Frauen am Grab von Jesus. Sie entschieden sich für den Perspektivenwechsel. Sie wollten nicht weiter auf das leere Grad fixiert bleiben, dort wo Jesus nicht zu finden war. Sie gingen hinaus, sie verkündeten die Auferstehung, das Leben.
Wo lässt sich heute die Kirche ein auf den Lebendigen, wo sind wir bereit unsere alten Trampelpfade des Glaubens zu verlassen um dem Leben zu begegnen. Packen wir die vielen Gelegenheiten am Schopf, bevor wir nur noch ins Leere greifen. Sie sind da, die Möglichkeiten die Stimme zu erheben gegen Ungerechtigkeit, sie sind da die Momente, wo wir unsere Lebens- und Glaubenserfahrungen teilen können.

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Geändert: 09.10.2018
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