7. Oktober

Es fällt mir schwer, dieses Weg-Wort zu verfassen. Denn während ich schreibe, ist da die Sorge in mir, mit meinen Worten dem, was geschehen ist (und was aktuell geschieht), nicht gerecht zu werden. Zwei Jahre sind vergangen, seitdem das sadistische Massaker der Hamas eine sowieso schon gebeutelte Region in den Abgrund riss. Unzählige unschuldige Menschen sind daraufhin im israelischen Bombenhagel ums Leben gekommen, haben ihr Zuhause und ihre Zukunft verloren. Momentan scheint es fast unmöglich, über das zu sprechen, was in Israel und Gaza passiert, ohne dass ganz genau darauf geachtet wird, auf wessen Seite man steht, wem das Mitgefühl gilt, wessen Schmerz beim Namen genannt wird.

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Es bereitet mir Sorge, dass man nicht über die schrecklichen Geschehnisse sprechen kann, ohne sich klar zu positionieren. Entweder bist du für Israeliten oder die Palästinenser. Dabei bin ich davon überzeugt, dass Frieden nicht aus der Stärke der verschiedenen Lager entstehen kann, sondern nur dann, wenn Menschen bereit sind, sie zu verlassen. Ich bin mir sicher, für diesen Gedanken «Prügel» einzustecken. Denn irgendwer findet bestimmt, dass ich damit Leid übersehe oder relativiere. Doch genau das tue ich nicht. Ich halte mich an das, was Jesus vorgelebt hat. Er hat nie gefragt, wer angefangen hat, sondern hat sich dem Leid zugewandt, wo immer er es angetroffen hat. Und er hat damit eine wichtige Botschaft gesendet, die über alle politischen, gesellschaftlichen, religiösen Lager hinausweist; dass am Ende nur eines zählt, die Menschlichkeit nämlich. Sie ist es, die wir verteidigen müssen.

Ich wünsche mir sehr, dass mehr Menschen weder für den einen noch für den anderen, sondern für den Frieden Partei ergreifen. Auch wenn es bedeutet, in keine Schublade zu passen. Doch ich bin zutiefst davon überzeugt, dass Versöhnung und Neuanfang nur da beginnen können, wo wir uns nicht mehr als Feinde sondern als Mitmenschen sehen. Und so möchte ich heute sagen: In meinem Herzen ist Trauer. Für alle, die in den letzten beiden Jahren in diesem Krieg ihr Leben verloren haben. Und ich weigere mich, Menschen von dieser Trauer auszuschliessen, weil sie auf der einen oder anderen Seite der Grenze gelebt haben.