Abwarten und Tee trinken
Ist der Ausgang einer Angelegenheit oder ihr Ergebniszeitpunkt ungewiss ohne dass dramatische Folgen zu erwarten sind, dann hört man wohlmeinende Freunde oder die betroffenen Menschen oft sagen: «abwarten und Tee trinken!» Diese Redensart wird bisweilen auf einen Kräuterheilkundigen aus dem 19. Jahrhundert zurückgeführt, auf den Schäfer Heinrich Ast, der vielen hilfesuchenden Kranken Kräutertees zur Heilung empfahl.
Heutzutage beziehen wir den Ausspruch nicht primär auf die Wirkstoffe eines Kräuteraufgusses. «Abwarten und Tee trinken» ruft zu Geduld und Zuversicht auf und ist mit einer weisen Einstellung verknüpft. Wir haben die Dinge ja nicht immer in der Hand und unter Kontrolle, und schnell beginnen die Gedanken im Kopf zu rotieren und die Sorgen sich auftürmen. Eine entspannende Tätigkeit kann uns zurück ins Hier und Jetzt holen, etwa wenn wir uns einen feinen Tee zubereiten und ihn mit allen Sinnen geniessen. Im asiatischen Raum wurde dies regelrecht zu einer Kultur. Teezeremonien verlangen grosse Aufmerksamkeit auf jede Einzelheit der Zubereitung und des Genusses. So unterbrechen sie die Abwärtsspirale kreisender Gedanken und wachsenden Kummers.
In der Bergpredigt wird uns eine rhetorische Frage gestellt: «Wer von euch kann mit all seiner Sorge sein Leben auch nur um eine kleine Spanne verlängern?» (Mt 6,27) Natürlich können wir das nicht, im Gegenteil: Die medizinische Forschung bestätigt, dass Sorgen und Kummer die Gesundheit belasten und zur Verkürzung der Lebenszeit führen. Grund genug, noch heute mit einer kleinen Sache zu beginnen, die uns Entspannung und Aufmunterung schenkt. Es muss nicht unbedingt das Teetrinken sein.
