Ach!

Wie spreche ich Gott an im Gebet? Wie nenne ich ihn, mit welchem Namen rufe ich ihn an? Im Judentum gilt Gottes Name als so heilig, dass er nie ausgesprochen wird. Der Islam kennt die 99 schönen Namen Gottes. Jesus lehrt in der Bergpredigt, ihn als unseren Vater anzusprechen und vertrauensvoll unsere Bitten vorzubringen. Neulich habe ich das inspirierende spirituelle Buch von Hubertus Halbfas mit dem Titel «Der Sprung in den Brunnen» wieder in die Hände genommen, und darin die folgende kurze Erzählung gefunden:

«Wir hielten vor einem kleinen türkischen Kloster, in der Derwische lebten, die jeden Freitag tanzten. Das grüne Bogentor zeigte auf dem Türbalken eine bronzene Hand – das heilige Zeichen Mohammeds. Wir traten in den Hof. Aus einer Zelle kam ein Derwisch auf uns zu; er legte grüssend die Hand auf die Brust, Lippen, Stirn. Wir setzten uns. Der Derwisch sprach von den Blumen, die wir rundum sahen, und vom Meer, das zwischen den spitzen Blättern des Lorbeerbaumes blitzte. Später begann er, über den Tanz zu sprechen. ‹Wenn ich nicht tanzen kann, kann ich nicht beten. Ich spreche durch den Tanz zu Gott.› ‹Was für einen Namen gebt Ihr Gott, Ehrwürden?› ‹Er hat keinen Namen›, antwortete der Derwisch. ‹Gott kann man nicht mit einem Namen preisen. Der Name ist ein Gefängnis, Gott ist frei.› ‹Wenn ihr ihn aber rufen wollt? Wenn es notwendig ist, wie ruft Ihr ihn?› ‹Ach!› antwortete er. ‹Nicht: Allah. Ach! werde ich ihn rufen.› Ich erbebte. ‹Er hat recht›, murmelte ich.»

Tanzender Derwisch
Im Tanz versunkener Derwisch. Bild von Svklimkin auf Pixabay

In der Bergpredigt rät Jesus, beim Beten nicht viele Worte zu machen, «denn euer Vater weiss, was ihr braucht, noch ehe ihr ihn bittet». Der Seufzer unseres Sehnens aus der Tiefe des Herzens: Vielleicht kann er besser als alles andere die Verbindung zum Göttlichen herstellen. Mögen wir immer wieder aufmerksam sein auf dieses «Ach!» in unserem Inneren und uns von ihm bewegen lassen.