Ahoi!
Auf einer Städtereise nach Hamburg habe ich eine Szenerie erlebt, die mich fröhlich gestimmt hat. Wir fuhren mit einer Barkasse durch den Hamburger Hafen. Ein schöner Ausflug auf dem Wasser. Immer wieder blieben Menschen am Ufer stehen und winkten uns zu. Nicht nur Kinder, auch Erwachsene. Sogar ein älterer Herr mit Stock hob lächelnd die Hand. Und wir Passagiere an Bord winkten selbstverständlich emsig zurück.
In einer Welt, die sich immer schneller dreht, in der sich Menschen in der Tram oder im Bus kaum ansehen, beim Bäcker selten ein Lächeln schenken und an der Supermarktkasse eher auf ihr Natel blicken als in ein fremdes Gesicht, da ist das doch beinahe ein rührender Ausnahmezustand. Ich frage mich, warum wir Menschen uns auf dem Wasser so gerne zuwinken. Vielleicht weil wir auf dem Schiff langsamer unterwegs sind als in unserem Alltag? Weil der Moment stiller ist oder eine Sehnsucht in uns geweckt wird? Vielleicht auch, weil wir spüren, dass wir nicht alleine sind? Da ist ein anderer Mensch, irgendwo am Ufer, und für einen kurzen Augenblick sehen wir einander. Da ist kein Urteil, kein Misstrauen.
Ich glaube, in solchen kleinen Gesten zeigt sich das, was uns im Innersten ausmacht: das Bedürfnis nach Verbindung, nach Frieden, nach einem unbeschwerten Miteinander. Wäre es nicht wunderbar, wenn wir diese Heiterkeit auf dem Wasser mit an Land nähmen? Wenn wir auch im Alltag mehr winken, mehr lächeln, mehr freundliche Worte gebrauchen würden, mit einem Augenzwinkern und einem offenen Herzen? Ahoi!
