Alle für einen…
Alle für einen…
Seit ich an Krücken gehe ist nicht nur alles langsamer und mühsamer geworden. Ich erlebe es auch immer wieder, dass mich Menschen spontan fragen, wie es mir gehe oder mir gute Besserung wünschen. Eine sichtbare Einschränkung lässt einen automatisch hilfsbedürftig aussehen. Die Bereitschaft der Menschen, mir einen Platz freizumachen oder mir etwas abzunehmen ist enorm gross.
Warum ist das eigentlich nicht immer und bei jedem Menschen so – unabhängig davon, dass sie oder er gerade offensichtlich hilfsbedürftig aussieht?! Ich möchte zwar, dass mein Bein möglichst bald gesund wird und ich die Krücken los bin. Aber ich fände es auch schön, wenn mich sonst noch mehr Menschen spontan freundlich und hilfsbereit ansprechen würden.

| Bild: Banana2/Gemini Google |
Ein wesentlicher Grund liegt wohl darin, dass wir uns schon früh abgewöhnen, klar und deutlich um Hilfe zu fragen. Den meisten von uns ist es unangenehm überhaupt eine fremde Person zu fragen, geschweige denn für etwas bestimmtes oder um Hilfe.
Aber wenn wir mehr freundliche und hilfsbereite Begegnungen haben möchten, kommen wir nicht darum, in irgendeiner Form zu zeigen, dass wir ohne die Hilfe von anderen nicht leben können. Paulus schreibt im 1. Korintherbrief (Kapitel 12) davon, dass die Gemeinschaft der Gläubigen so etwas ist wie ein Körper mit unterschiedlichen Teilen und Organen. Sie hängen zusammen, können einander nicht abstossen, sondern sind aufeinander angewiesen. Fehlt eines, leiden alle anderen mit. Vielleicht hilft uns dieses Bild, in einer nächsten Begegnung heute etwas zu fragen, was wir nicht wissen oder eine andere Person zu bitten, etwas für uns zu tun, was wir nicht so gut können. Dahinter steht unser Vertrauen, dass im Glauben wir ohne die anderen – und die anderen nicht ohne uns – leben können. (cw)