Alles, was Odem hat, lobe den Herrn
Der Titel dieses Wegwortes entstammt dem letzten Vers des letzten Psalms (Ps 150) der Bibel. Eine besondere Aura hat Felix Mendelssohn diesem Psalmwort in seiner 2. Symphonie, einer Chorsymphonie, verliehen. Allgemein bekannt ist das Werk unter der Bezeichnung «Lobgesang». Wer diese Symphonie je gehört hat, wird den eingängigen Text und die Grundmelodie künftig mitsingen können, ebenso den miteingewobenen Choral «Nun danket alle Gott». Die Symphonie als Ganzes ist ein einziges Hallelujah und ein durch alle Lande schallender Dank aller Geschöpfe an den einen grossen Gott. In den Worten des mit «Hallelujah» überschriebenen Psalms:
Lobt Gott in seinem Heiligtum, lobt ihn in seiner starken Feste.
Lobt ihn um seiner machtvollen Taten willen, lobt ihn in seiner gewaltigen Grösse.
Lobt ihn mit Hörnerschall, lobt ihn mit Harfe und Leier.
Lobt ihn mit Trommel und Reigentanz, lobt ihn mit Saiten und Flöte.
Lobt ihn mit klingenden, lobt ihn mit schallenden Zimbeln.
Alles, was Odem hat, lobe den Herrn. Hallelujah.
Während meines in Davos absolvierten Pfarrvikariats konnte ich es an gewissen «zum Schreien schönen Tagen» nicht lassen, auf die schmale Holzveranda zu treten und dort Mendelssohns Lobgesang oder sonst einen Choral inbrünstig von mir zu geben. Meine Vermieter machten sich anfänglich echte Sorgen, ob der künftige Pfarrer wohl eher ins nahe gelegene Sanatorium, denn auf die Kanzel gehöre. Ich staunte nicht schlecht, als Frau K. eines Tages an einem dieser Prachtsmorgen mit dem Kirchengesangbuch bei mir anklopfte, um gemeinsam «Nun danket alle Gott» zu singen. Ich vermute sehr, dass dieses spontane Duett bei meiner Vermieterin mehr bewirkt hat, als eine meiner Sonntagspredigten. Gesungene Wörter wiegen stärker.
Bildquelle: wikimedia, Portrait Felix Mendelssohn Bartholdy
