Aschenkreuz to go
Es ist ein harter Kontrast: Heute spielen mancherorts nochmal die Guggenmusiken auf, die Leute zeigen sich ein letztes Mal in ihren Masken und Gewändern, tanzen herum, machen Fasnachtsspässe. Morgen ist das alles vorbei, die Instrumente und Kostüme werden wieder verstaut, die Konfetti von den Strassen und Plätzen aufgewischt; es wird Katerstimmung herrschen. Die Fastenzeit beginnt und den Menschen wird mit Asche ein Kreuz auf die Stirn gestreut begleitet von den Worten: «Gedenke, Mensch, dass du Staub bist und zum Staub zurückkehrst.»
An einigen Orten ist man dazu übergegangen, dieses Ritual nicht nur in Kirchen und Aschermittwochsgottesdiensten anzubieten, sondern auch auf Plätzen und in Fussgängerzonen, dort wo die Menschen ihren alltäglichen Besorgungen nachgehen. «Ashes to go» wird es genannt, ein Aschenkreuz für unterwegs. Offenbar entstand dieser Brauch 2010 in Chicago, wo Seelsorgende den Pendlern Asche und Gebete an die Vorortbahnhöfe brachten und damit einen Moment der Besinnung und Erneuerung. Das kam so gut an, dass es auch in den Folgejahren wiederholt wurde und sich ausbreitete.
Diese relativ junge Praxis erscheint mir sehr sinnvoll. Das Aschenkreuz soll uns ja nicht deprimieren, niederzudrücken oder gar unser Dasein vermiesen. Mit dem Hinweis auf unsere Endlichkeit will es uns vielmehr vor Augen führen, wie kostbar jeder Moment des eigenen Lebens ist. Und welche Orte wären für diese Erinnerung passender als dort, wo das Leben stattfindet, wo wir aber in der Regel nicht die Musse mitbringen, den Wert des Daseins zu würdigen. Das Aschenkreuz «to go» können Sie morgen in Zürich von 14.00 bis 16.00 Uhr auf dem Rigiplatz empfangen oder in Winterthur von 11.30 bis 13.30 Uhr vor der Kirche St. Peter und Paul.
