Ausstrahlen

Ende letzten Jahres wurde die berühmte Kathedrale Notre-Dame in Paris wieder eröffnet. 2019 war sie durch einen Brand schwer beschädigt worden. Nun steht sie in neuer Pracht da, und Menschen aus aller Welt besichtigen das Bauwerk.

Es fällt auf, dass die meisten Besuchenden sich v.a. für die historische Substanz der Kirche interessieren. Also auch für das, was nach dem Brand im historischen Stil rekonstruiert wurde.
Aber eigentlich gibt es viel Neues zu entdecken. So wurde die liturgische Ausstattung vollständig ersetzt: Altar, Ambo, Altargestühl, Taufstein.
Leider scheinen die meisten Menschen diese Elemente kaum zu beachten.

Dabei sind die Arbeiten, die vom Designer und Bildhauer Guillaume Bardet geschaffen wurden, von zeitloser, formschöner Eleganz, die begeistert. Der Künstler hat Objekte entworfen, die Ausstrahlung haben, ohne sich gross zu machen oder in den Vordergrund zu drängen. Sie fügen sich ins Ganze des Kirchenraums ein. Und gleichzeitig verfügen sie über eine enorme Präsenz.

Das hat mich zum Sinnieren gebracht. Womit und wie erzielt man eigentlich Wirkung? Hier ein paar Gedanken dazu:
Welch ein Segen, wenn man merkt, wofür man gerade gebraucht wird! Wenn man unterscheiden kann, ob es jetzt um einen selbst geht oder um eine Sache oder eine Gemeinschaft. Und wenn man es schafft, seine Kompetenzen der Sache oder der Gemeinschaft zur Verfügung zu stellen.

Wenn man seine Fähigkeiten einsetzt und etwas wirklich Überzeugendes schafft, dann muss man sich nicht in den Vordergrund drängeln, damit es wirkt. Es wird seine Wirkung entfalten, und die, die Augen dafür haben, werden es sehen. So wie die neuen liturgischen Objekte in der Notre-Dame.

Abb: Guillaume Bardet, Altar, Cathédrale Notre-Dame de Paris, Frankreich, 2024.Foto: Privat, 2025