• Begegnung unterwegs

    Auf meiner Mehrtageswanderung in Süditalien war ich an einem Sonntag auf einer kleinen Strasse unterwegs. Ein Auto kam mir entgegen. Der Fahrer, ein jüngerer Mann, hielt an und kurbelte die Fensterscheibe herunter. Der Mann fragte mich nach dem Woher und dem Wohin. Er wies mich darauf hin, dass die Hunde beim nächsten Hof zwar sehr laut aber absolut harmlos seien. So kamen wir ins Gespräch. Er meinte, er sei eigentlich sehr in Eile, denn er wolle zur Sonntagsmesse im nächsten Ort. «Der Glaube an Gott ist für mich wichtig.», sagte er: «Ohne diesen Glauben könnte ich nicht leben.» Dann erzählte er mir, dass sein jüngerer Bruder todkrank im Spital liege…

  • Mach dir eine Tür auf

    Seit ich eine schwere Zeit erlebt habe, in der eine Tür zugefallen ist, habe ich etwas gegen Binsenweisheiten wie: «Wenn eine Tür zugegangen ist, geht woanders wieder eine auf!». Wie macht man nach einem Schicksalsschlag weiter? Hilft Gott, den Menschen, die etwas Schlimmes erlebt haben? Im Buch Rut aus dem Alten Testament finde ich in der Lebensgeschichte der Frauen Rut und Noomi eine Antwort. In Kurzform geht die Geschichte so: Eine Familie aus Bethlehem(!), Vater, Mutter und zwei Söhne, wandern wegen einer Hungersnot ins Land der Moabiter aus (Sie sind quasi Wirtschaftsflüchtlinge und Asylanten). In der Fremde stirbt der Vater. Die beiden Söhne heiraten einheimische Frauen und dann sterben auch…

  • Bester Freund

    Der Zöllner Zachäus war zu seiner Zeit ein reicher Mann. Er war clever und hat erfasst, dass man als Leiter beim Zoll schnelles Geld machen kann. Er hat seine Position auch ausgenützt, um Menschen am Zoll übers Ohr zu hauen. Ich stelle mir vor, dass er von Menschen umgeben war, die entweder getickt haben wie er selbst, oder von solchen, die vor ihm gebuckelt und ihm geschmeichelt haben um etwas von seinem Reichtum abzubekommen. Die Menschen, zu denen er eigentlich gehört hat, nämlich seine jüdischen Landsleute, haben ihn für einen Sünder gehalten und ihn gemieden. Von Zachäus wird gesagt, er sei klein gewesen. Ich habe das immer so verstanden, dass…

  • Blumen gegen das Vergessen

    Es ist wieder einmal eine Zahnreinigung fällig. Ich liege auf dem Stuhl im Behandlungszimmer und versuche meinen Atem in einen ruhigen Fluss zu bringen. Das ist gar nicht so leicht, weil ich gleichzeitig meinen Mund weit offenhalten muss. Ausserdem ist mein linker Arm eingeschlafen. Das ist nicht erstaunlich, denn er hat sich immer mehr verspannt. Ich verändere leicht seine Lage und versuche ihn bewusst zu entspannen. Doch das schneidende Geräusch des Ultraschallreinigungsgerätes an meinen Zahnhälsen nimmt mich so in Anspruch, dass sich meine Hand wieder zu einer Faust zusammenzieht. Völlig unbeschwert habe ich eben noch die Praxis betreten. Erst als es sich anfühlt, als ob mein Herz in einem meiner…

  • Lücke

    Weihnachten ist abgebaut. Zuerst waren die Dosen mit den Vanillekipferln leer. Dann sind die Gäste abreist. Die Geschenke wurden eingeräumt. Der Schmuck unseres Christbaumes liegt in seinen Schachteln im Keller, genauso wie die Lichterketten. Der Baum selber wartet vor dem Haus auf die Abfuhr. Ein paar Nadeln liegen noch unter dem Tisch auf dem er stand. Der Tisch selbst wirkt leer. Die Erwartung und Vorfreude, die weihnachtliche Festlichkeit sind ausgezogen. Für mich fühlt es sich an, als sei vorher Fülle dagewesen, gewiss auch Arbeit, aber eine frohe und mit Sinn gefüllte Zeit. Und nun? Nichts. Es ist eine Lücke da. Ich fühle mich mit der Lücke unbehaglich. Meistens stelle ich…