• Steinsuppe

    In einer Zeit großer Hungersnot begannen die Menschen ihre wenigen Lebenmittel zu horten und sogar vor ihren eigenen Freunden und Nachbarn zu verstecken. Da kam ein Wanderer durch ein Dorf, bat um einen Kessel, den er mit Wasser füllte und auf ein Feuer stellte. «Ich will eine Steinsuppe kochen und euch alle einladen!», sagte er. Neugierig versammelten sich die Dorfbewohner um den Fremden und schauten zu, wie er einen Stein aus seiner Tasche holte und ihn vorsichtig in das Wasser legte. Als der Stein eine Weile im Wasser gekocht hatte, nahm er einen Löffel und schmeckte die Suppe ab. «Mmh! Ich liebe Steinsuppe. Aber ohne Salz schmeckt sie einfach nicht!»…

  • Über die Liebe zu den Nächsten

    Legen wir in alles unsere Liebe hinein: in das Lächeln, das wir schenken können, in die Arbeit, die wir zu tun haben, in unser Verhalten im Straßenverkehr, in die Vorbereitung des Essens ins Zusammenlegen eines Kleidungsstücks, in das Planen einer Unternehmung, in den Tränen, die wir für Christus in unseren leidenden Mitmenschen vergießen, in das Spielen eines Instrumentes, in den Artikel oder in den Brief, den wir schreiben müssen, in das Feiern eines Festes… Alles, wirklich alles kann Ausdruck unserer Liebe zu Gott und zu den Menschen werden. Alles ist uns, unseren Händen und Herzen anvertraut, damit wir die Frohe Botschaft in die Welt tragen. Chiara Lubich aus: «Ich liebe,…

  • Vertrauen

    Ich liege und schlafe ganz in Frieden;Denn allein Du hilfst mir, dass ich sicher wohne. Psalm 4, 9 «Sie werden ganz friedlich schlafen, aber wir sind in dieser Zeit mit voller Aufmerksamkeit für Sie da.» Diesen Satz habe ich so oder ähnlich vor meiner Operation gleich mehrmals gehört: zuerst von der Chirurgin, als sie mir in der Sprechstunde alles erklärte, was bei meiner Operation von Bedeutung ist, dann von der Ärztin, bei der es um die vorbereitende Abklärung zur Narkose ging, und schließlich noch vom leitenden Arzt des Narkoseteams unmittelbar bevor ich wegdämmerte und in den Operationssaal geschoben wurde. Natürlich hat man mich auch zu Komplikationen und Risiken aufgeklärt, aber…

  • Geheimnis des Wachsens

    Ich habe im Garten Furchen gezogen, um Kartoffeln zu stecken. Immer wieder kamen Gartennachbarn vorbei und haben ein paar Worte mit mir gewechselt. Die einen haben Bemerkungen zur vielen Arbeit gemacht, die in einem Garten zu tun ist: «Fleissig am Arbeiten!» oder «Ganz schön viel zu tun, so ein Garten!»  Es gab aber auch Gartennachbarn, die dieselbe Situation anders betrachteten. Sie sagten: «So schön, wie jetzt alles wieder wächst!» Ihr Blick ist weiter und geht über den eigenen Garten hinaus. Jesus lenkt unsre Aufmerksamkeit vom Säen aufs Wachsen:  «Mit dem Reich Gottes ist es so wie wenn jemand Samen aufs Land wirft. Er schläft und steht auf, Nacht und Tag. Und…

  • Lesen lernen

    Mir scheint, dass mein Glaube an Gott wie ein Buch ist, durch das ich mich ein Leben lang «hindurchbuchstabieren» muss, und ich lese es in kleinen Schritten. Manchmal gibt es Aha-Erlebnisse, bei denen ich ein vertrautes Wort schnell erkenne oder ein neues sofort erfasse; meistens geht es langsam, und lange Sätze oder gar Absätze verstehe ich nur im Rückblick. Erst am Ende meines Lebens wird das Buch fertiggelesen sein.Um mein Glaubensbuch verstehen zu können muss ich, wie bei allen Büchern, auf Lebenserfahrungen zurückgreifen. Manche der Lebenserfahrungen sind Schnittstellen zwischen meinem Glaubensbuch und meinem Leben. Dann sehe ich hinter meinem Lebenstext Leuchtbuchstaben, die Gott geschrieben hat. Das ist abstrakt und deshalb…