• Neugier

    Am 26. November 2011 startete eine Rakete Richtung Mars. Sie transportierte eine fahrbare Forschungssonde – einen sogenannten Mars-Rover – zur wissenschaftlichen Erkundung der Oberfläche des Planeten. Seinen Namen hatte das Gefährt durch einen Wettbewerb von der Schülerin Clara Ma erhalten. Sie nannte ihn «Curiosity»: Neugier. Inzwischen ist Curiosity seit 3’363 Marstagen im Einsatz und hat bald 880’000 Fotos übermittelt. Über den Sinn solch kostspieliger Projekte kann man zu Recht unterschiedlicher Auffassung sein. Auf jeden Fall beweist die Marsmission den unstillbaren menschlichen Forschungsdrang und fasziniert durch das Überschreiten der Grenzen dessen, was wir normalerweise für möglich halten. Auf völlig andere Weise faszinierte Jesus die Menschen vor bald 2’000 Jahren. Gewiss trugen…

  • Konsent

    Entscheidungen zu fällen, die niemanden als Verlierer zurücklassen, gelingt leider längst nicht in jedem Fall. Demokratische Methoden haben da ihre Grenzen: Mehrheitsentscheide hinterlassen oft Gräben zwischen den Siegern einer Abstimmung und der unterlegenen Minderheit. In einer Weiterbildung konnte ich letzte Woche die „Soziokratie“ genauer kennenlernen, ein Hilfsmittel zur Unternehmensführung und Organisationsentwicklung, bei der die Entscheidungsfindung einen zentralen Stellenwert einnimmt. Alle Teams und Bereiche sind in Kreisen organisiert mit klar definierten Entscheidungsfreiheiten für die Umsetzung der Ziele. Die Kreise finden Ergebnisse im Konsent. Sie kommen ohne Befehle von oben und ohne Abstimmungen aus. Konsent unterscheitet sich vom Konsens, der Einstimmigkeit erfordert. Vielmehr werden die wichtigen Informationen gesammelt und die Meinungen in…

  • Ikigai

    Neben den Zeiten, in denen mich mein Tun mit Zufriedenheit und Sinn erfüllte, gab es in meinem Leben auch andere, in denen mir nicht mehr wohl war, und ich den Zweck meines Tuns aus den Augen verlor. Das führte bis zu beruflichen Krisen und Umbrüchen in meinem Leben. „Wofür lohnt es sich, am Morgen aufzustehen?“ „Wofür lohnt es sich überhaupt zu leben?“ In der japanischen Kultur haben diese Fragen sowohl persönlich als auch gesellschaftlich einen hohen Stellenwert. Das Erforschen des „Ikigai“, des Lebenssinns, ist dort eine wichtige Angelegenheit, und jede Person wird wegen ihrer Einzigartigkeit und ihrer Lebensumstände zu einem ganz persönlichen Ergebnis kommen. Sein Ikigai kann man auf verschiedene…

  • Tabula rasa

    Anfang Januar verspüre ich in mir oft ein Unbehagen. Die Zeit kommt mir leer vor und das vor mir liegende Jahr wie ein unbeschriebenes Blatt Papier. Das alte – vollgeschriebene – ist auf die Seite gelegt, der Glanz der hohen Festtage vorbei, und eine kaum greifbare Kargheit, eine Langeweile macht sich breit. Vom unangenehmen Gefühl lasse ich mich dazu verlocken, das Loch schnell mit irgendetwas aufzufüllen, um der Trostlosigkeit zu entgehen. Es hat natürlich auch mit der Jahreszeit zu tun. Die Natur ruht, die Pflanzen und Tiere leben auf Sparflamme, und ihre Aktivitäten sind fast gänzlich zum Stillstand gekommen. Besonders fällt es mir auf, wenn ich die verschiedenen Wasservögel auf…

  • Ausgang und Eingang

    Im antiken Rom und in gewissen Gebieten des Imperiums war die Gottheit Janus äusserst bekannt und beliebt. Er galt als Gott des Anfangs und des Endes, der Eingänge und Ausgänge, der Türen und Tore. Zunehmend bekam er die Züge eines Vaters aller Dinge und aller Götter. Dargestellt wurde er mit einem Doppelgesicht, sowohl vorwärts als auch rückwärts blickend. Von ihm hat der erste Monat im Jahr seinen Namen. Eisenplastiken in Form von Janusköpfen schuf der Künstler Schang Hutter im Jahr 1994 für einen Totentanz auf dem Friedhof Bümplitz. Besonders bewegt mich die Darstellung, in der ein solcher Januskopf in einer leeren Urnennische steht, die den Durchblick freigibt auf die andere…