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  • Bleibende Zumutung

    «Halleluja, Jesus lebt!» Die Christenheit begeht den Osterfesttag mit viel Aufwand, mit Orchestermessen und Chorgesang, mit Glockengeläute und Lichtritualen, mit eingängigen Gesängen, die den Sieg Christi über den Tod bejubeln. Es sind wertvolle Traditionen, die das Gemüt erheben, das Vertrauen in Gott stärken und die Gemeinschaft zusammenbringt. Das Triumphhafte dieses Hochfestes und die Prachtentfaltung der Kirchen im Laufe der Jahrhunderte mit ihren Gebäuden, Gewändern und Kunstwerken, können allerdings in den Hintergrund rücken lassen, dass der christliche Glaube im Kern eine provokative Zumutung beinhaltet. Eine Kritzelei aus dem zweiten oder dritten Jahrhundert, nicht viel grösser als ein A4-Blatt, macht diese Zumutung augenfällig. Das sogenannte Alexamenos Graffito aus dem antiken Rom zeigt…

  • Mysterien am Hauptbahnhof

    Bahnhöfe sind in der Regel Durchgangsorte. Tausende von Menschen nutzen sie täglich zum Ein-, Aus- oder Umsteigen, wenn sie zur Arbeit fahren, einen Besuch machen oder für eine Erledigung unterwegs sind. Manche gehen bei einem Kiosk oder Laden vorbei und kaufen sich eine Zeitung, einen Kaffee oder ein Sandwich. Alle verfolgen ihre individuellen Ziele und schenken den ebenfalls anwesenden Mitmenschen kaum Beachtung. Im Hauptbahnhof Zürich und an anderen grösseren Bahnhöfen gibt es einen speziell markierten Treffpunkt. Er hebt sich vom allgemeinen Gewimmel ab und ist ein Ort voller Geschichten und Emotionen. Man verabredet sich dort in Vorfreude, um eine gemeinsame Reise anzutreten. Menschen, die sich noch nicht kennen, nutzen diese…

  • Abwarten und Tee trinken

    Ist der Ausgang einer Angelegenheit oder ihr Ergebniszeitpunkt ungewiss ohne dass dramatische Folgen zu erwarten sind, dann hört man wohlmeinende Freunde oder die betroffenen Menschen oft sagen: «abwarten und Tee trinken!» Diese Redensart wird bisweilen auf einen Kräuterheilkundigen aus dem 19. Jahrhundert zurückgeführt, auf den Schäfer Heinrich Ast, der vielen hilfesuchenden Kranken Kräutertees zur Heilung empfahl. Heutzutage beziehen wir den Ausspruch nicht primär auf die Wirkstoffe eines Kräuteraufgusses. «Abwarten und Tee trinken» ruft zu Geduld und Zuversicht auf und ist mit einer weisen Einstellung verknüpft. Wir haben die Dinge ja nicht immer in der Hand und unter Kontrolle, und schnell beginnen die Gedanken im Kopf zu rotieren und die Sorgen…

  • Bescheidener Hinweis

    In manchen Städten der USA, in Irland und auch anderenorts wird man an diesem Tag Menschen sehen, die sich grün kleiden oder mit einem Kleeblatt schmücken. Sie feiern ausgelassen und pflegen Brauchtum, veranstalten etwa Umzüge wie an Karneval oder Prozessionen. Heute ist «St.-Patrick’s Day», der Festtag des Nationalheiligen Irlands. Magonus Sucatus Patricius wuchs zu Beginn des 5. Jahrhunderts als Sohn eines römischen Beamten in Britannien auf und wurde in seiner Jugendzeit von einer Räuberbande nach Irland verschleppt, wo er Schafe hüten musste. Nach seiner Flucht gelangte er nach Gallien, wurde Mönch und Priester. Mit dem Segen von Papst Coelestin I. kehrte er nach Irland zurück, baute Klöster, Schulen und Kirchen…

  • Chancen zur Umkehr

    Die Verfassung der Vereinigten Staaten von Amerika gibt dem Präsidenten ein weitgehendes Recht, Begnadigungen auszusprechen. Bis jetzt hat kein Amtsinhaber dieses Recht so dreist ausgenutzt wie der aktuelle. Er begünstigt reiche Verurteilte, die ihn dafür bezahlen, die ihm Gefallen erweisen oder ihm schmeicheln. Besonders stossend ist, dass nicht nur Gefängnisstrafen und Geldbussen erlassen werden, sondern auch Wiedergutmachungen, auf welche geschädigte Menschen ein Recht haben. Die ehemalige Bundesanwältin für Begnadigungen Liz Oyer weist auf die Missbräuche hin und dokumentiert sie. In den meisten Religionen besitzt die Praxis der Vergebung einen herausragenden Stellenwert. Das genannte Beispiel beleuchtet auf extreme Weise die herausfordernde Spannung, die zwischen Vergebung und Gerechtigkeit herrscht. Der Apostel Petrus…