• Inneres Team

    Durch einen Schlaganfall verlor Dr. Jill Bolte Taylor zeitweise Funktionen der linken Gehirnhälfte, derweil die rechte Seite ihres Gehirns intakt blieb. Im Weg-Wort vom 1. März hatte ich darüber berichtet. Seit ihrer Genesung steht für die Hirnforscherin fest: Mit der Kenntnis vom Gehirn verstehen wir uns selbst besser und vergrössern unsere Freiheit im Sein und im Handeln. Dr. Taylor betont, dass jede Hirnhälfte einen Kern mit emotionalen Funktionen besitzt, und der Kortex darüber komplexere Aufgaben übernimmt: insgesamt vier Regionen mit je eigenem Charakter und grosser Bedeutung für unsere Persönlichkeit. Dr. Taylor beschreibst sie so: 1. Der linke Kortex ist der systematische und kontrollierende Teil, der ordnet und beurteilt, sich abgrenzt…

  • Erkenntnisreicher Schicksalsschlag

    Am 10. Dezember 1996 erlitt Dr. Jill Bolte Taylor einen Schlaganfall. Das Besondere daran war: Sie konnte den Vorgang über mehrere Stunden genau beobachten und als Hirnforscherin auch verstehen. Später erzählte sie, dass es sich um eine Blutung in der linken Hirnhälfte gehandelt hatte. Das Erlebnis verdeutlichte ihr, wie unterschiedlich die beiden Hälften des Gehirns funktionieren. Die Wissenschaftlerin erwachte an jenem Morgen mit einem pulsierenden Schmerz hinter ihrem linken Auge. Ihr Körper funktionierte langsam und schwerfällig, seine Grenzen schienen sich aufzulösen. Zugleich stellte sich ein Gefühl des Glücks ein, eine Verbundenheit mit allem. Das war die Wahrnehmung der intakten rechten Hirnhälfte. Die linke verstummte zeitweise und machte einer friedvollen Stille…

  • 40 Tage zum Leben

    Sind die 40 Tage vor Ostern eine Zeit der selbst auferlegten Einschränkungen worauf die Bezeichnung Fastenzeit weist oder gar des Leidens, wie es der Name Passionszeit nahelegt? Die Leidensmystik scheint dem Christentum tief in den Knochen zu stecken, und für viele unterstreicht es der heutige Lesungstext aus dem neunten Kapitel des Lukasevangeliums, wo Jesus zu den Menschen diese Worte sagt: «Wenn einer hinter mir hergehen will, verleugne er sich selbst, nehme täglich sein Kreuz auf sich und folge mir nach. Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, der wird es retten. Was nützt es einem Menschen, wenn er die ganze Welt…

  • Buntes Leben

    Fasnacht spaltet die Meinungen. Die Einen lieben die närrischen Tage, an denen man anders als sonst im Jahr mal so richtig aus sich herauskommen kann, sich schrill oder gruselig kleiden darf, ohne Rücksicht auf die Meinung anderer herumtanzen und hemmungslos Spässe machen kann. Andere können mit der Narrenzeit nichts anfangen. Sie ist ihnen zu ausschweifend, zu unkontrolliert, zu rücksichtslos. Und einige beurteilen das fasnächtliche Treiben gar als unverantwortlich und moralisch verdorben. An der Fasnacht gefällt mir persönlich die Phantasie und Sorgfalt, mit der Einzelpersonen ihren Masken und Kostüme gestalten, und die Begeisterung, wenn sie in ihren Rollen aufgehen. Es erscheint mir, als würde die innere Fülle aus gesellschaftlicher Enge befreit,…

  • Dazulernen und dazugehören

    Viel Leid kann darauf zurückgeführt werden, dass gewisse Personen oder Gruppen sich auf eine wertende Weise von «den Anderen» abgrenzen. Diese allzu menschliche Tendenz bewirkte immer wieder Abwertung, Benachteiligung und Ausbeutung von Menschen, z.B. wegen ihrer anderen Hautfarbe oder kulturellen Herkunft. Der Grund für den Jahrhunderte andauernden Ausschluss der Frauen von den Rechten der Männer ist auch in dieser bewertenden Unterscheidung zu finden. Die grossen Konflikte und kriegerischen Auseinandersetzungen beruhen letztlich alle auf der Weigerung, Menschen oder Volksgruppen die Zugehörigkeit und Gleichwertigkeit zuzugestehen. Es hat mich erstaunt, dass selbst Jesus nicht frei war von diesem Verhalten. Er lebte im multikulturellen Galiläa und verstand sich als Angehöriger der jüdischen Glaubensgemeinschaft. Im…