-
Geschenk des Atmens
Den Atem hat der Mensch mit einer Grosszahl von Lebewesen gemeinsam. Unsere Zellen brauchen den Sauerstoff aus der Luft für die lebenserhaltenden biochemischen Vorgänge. Ohne zu atmen können wir es höchstens ein paar Minuten aushalten, bevor wir das Bewusstsein verlieren. Die meiste Zeit schenken wir unserem Atem keine besondere Aufmerksamkeit und das brauchen wir auch nicht, da das menschliche Nervensystem diese Funktion im Normalfall ganz ohne unser Zutun regelt. Es gibt Situationen, da uns der Atem stockt, etwa wenn wir uns in grossem Stress befinden, in Angst oder in einem Schockzustand. Es kommt auch vor, dass wir das Atmen für eine Weile schlicht vergessen – sei es, dass etwas Unerwartetes…
-
Eine Sichtweise auf die Dinge
Meldestellen für Glücksmomente? Ja, die gibt es in der Schweiz – teils seit über zwanzig Jahren. Offizielle Behörden sind es nicht, sie entstammen der Initiative des freischaffenden Journalisten, Dozenten und Soziologen Mark Ricklin. Der Ostschweizer suchte nach einem Gegenpol zu den so oft negativen und unerfreulichen Nachrichten, die tagtäglich auf uns einprasseln. In einem Interview aus dem Jahr 2019 zitiert Ricklin den französischen Autoren François Lelord: «Glück ist eine Sichtweise auf die Dinge.» Und er führt aus: «Die Dinge kann ich oft nicht ändern, die Sichtweise auf die Dinge hingegen schon. Es kann zum Beispiel helfen, sich die flüchtigen Glücksmomente aufzuschreiben und immer wieder zu vergegenwärtigen – und plötzlich wird…
-
Mut zur Liebe
Haben Sie schon von Dragobete gehört? In der rumänischen Tradition ist es eine mythische Gestalt und zugleich das Pendant zum Valentinstag. Traditionen bergen oft einen Schatz an Weisheit, und so ist es auch mit dem, was Menschen in Rumänien am heutigen Tag begehen. Es gibt verschiedene Erklärungen dazu, wer Dragobete ist. Manche sehen ihn als lokale Gottheit, welche Menschen an die Liebe erinnert. Andere verstehen ihn als edlen Abkömmling eines Königshauses, der engelsgleich und von vielen unerkannt auf der Erde wandelt. Er gilt als Ankündiger des Frühlings und Beschützer der Vögel. Dragobetes Geburtstag am 24. Februar ist in Rumänien ein Feiertag, an dem Feste gefeiert werden und die jungen Männer…
-
Was ist gerecht?
Am Südtor des Baptisteriums in Florenz ist auf einer der 28 bronzenen und teilweise vergoldeten Tafeln die Tugend der Gerechtigkeit zu sehen – als eine thronende Frauengestalt, die in der rechten Hand ein Schwert hochreckt und in der linken eine Waage sachte hält. Diese Justitia schaut den Betrachtenden direkt ins Gesicht, ein Unterschied zu anderen Darstellungen, wo man sie oft mit verbundenen Augen sieht. Die Waage gehört ganz fest zur Gerechtigkeit und verdeutlicht, dass es ums Abwägen, Vergleichen und Ausbalancieren geht. Güter, Möglichkeiten und Mitbestimmung sollen angemessen verteilt sein. Dazu sind möglichst viele Umstände zu berücksichtigen, und das braucht Fingerspitzengefühl, Weitblick und Hinhören. Das Schwert in der rechten Hand macht…
-
Aschenkreuz to go
Es ist ein harter Kontrast: Heute spielen mancherorts nochmal die Guggenmusiken auf, die Leute zeigen sich ein letztes Mal in ihren Masken und Gewändern, tanzen herum, machen Fasnachtsspässe. Morgen ist das alles vorbei, die Instrumente und Kostüme werden wieder verstaut, die Konfetti von den Strassen und Plätzen aufgewischt; es wird Katerstimmung herrschen. Die Fastenzeit beginnt und den Menschen wird mit Asche ein Kreuz auf die Stirn gestreut begleitet von den Worten: «Gedenke, Mensch, dass du Staub bist und zum Staub zurückkehrst.» An einigen Orten ist man dazu übergegangen, dieses Ritual nicht nur in Kirchen und Aschermittwochsgottesdiensten anzubieten, sondern auch auf Plätzen und in Fussgängerzonen, dort wo die Menschen ihren alltäglichen…