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  • Lohnender Verzicht

    Im Weg-Wort vom vergangenen Freitag schrieb ich über die «Welt-Tage ohne Handy & Smartphone». Der französische Schriftsteller Phil Marso hatte sie vorgeschlagen und auf das Datum vom 6. bis 8. Februar festgelegt. Die Aufforderung nahm ich mir zu Herzen, versuchte, das Mobiltelefon am Wochenende nicht zu verwenden, und machte meine eigenen Beobachtungen und Erfahrungen mit diesem Vorsatz. Meine erste Feststellung war, wie schnell der Griff zum Handy passiert, wenn ich nicht gerade beschäftigt bin. Als der Drang beim Zugfahren auftauchte, konnte ich ihm widerstehen, nahm unmittelbar Langeweile wahr und begann, meine Umgebung genauer zu beobachteten. Dann fiel mir das dünne Buch in meinem Rucksack ein, das ich schon lange lesen…

  • Gewonnene Zeit

    Das Smartphone zu Hause vergessen? Der Akku leer und keine Gelegenheit zum Aufladen? Das Mobiltelefon irgendwo liegengelassen? Löst dies heftige Gefühle aus, verursacht es sogar Schweissausbrüche, Herzrasen, eine innere Unruhe oder eine akute Panik, dann leidet die Person wohl an Nomophobie. Noch vor kurzem kannte ich dieses Wort überhaupt nicht. Es wurde vom Englischen «No Mobile Phone Phobia» zusammengezogen und meint so viel wie «die Angst, ohne Mobiltelefon zu sein». Die kleinen Geräte vereinen inzwischen so viele Funktionen in sich: Neben Telefon sind sie auch Brieftasche, Fahrplan, Landkarte, Kamera, Radio, Fernseher und vieles andere mehr. Heutzutage kommen wir tatsächlich kaum mehr ohne eines aus. Die Kehrseite ist, dass wir in…

  • Ende des Winters

    In der Filmkomödie «Groundhog Day» von 1993 – mit deutschem Titel «Und täglich grüsst das Murmeltier» – fährt ein Wetterberichterstatter widerwillig für einen Beitrag über den Murmeltiertag in den Ort Punxsutawney. Dort wird jährlich am 2. Februar das Nagetier aus dem Winterschlaf geholt, um eine Vorhersage über das Ende des Winters zu machen. Der Reporter gerät im Film albtraumhaft in eine Zeitschleife und muss denselben Tag wieder und wieder erleben. Im christlichen Kalender ist der 2. Februar der Darstellung Jesu im Tempel gewidmet und Kerzen werden gesegnet; volkstümlich heisst der Tag auch «Mariä Lichtmess». In der Mitte zwischen Wintersonnwende und Frühlingstagundnachtgleiche werden die Tage wieder spürbar länger und wecken die…

  • Grosszügiger werden

    Die Hilfsorganisation Oxfam hat gerade ihren Bericht zur sozialen Ungleichheit veröffentlicht und stellt fest, dass im Jahr 2025 das Vermögen der Milliardäre um 2,5 Billionen US-Dollar angewachsen ist. Der Anstieg entspricht nahezu dem, was die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung besitzt. Das skandalöse Gefälle zwischen arm und reich verschärft sich weiter, eine Trendwende ist nicht in Sicht. Oft reagieren Leute auf solche Nachrichten resigniert mit den Worten: «Wer hat, dem wird gegeben; wer aber nicht hat, dem wird auch noch weggenommen, was er hat.» Der Satz stammt aus der Bibel, aus dem vierten Kapitel des Markusevangeliums. Das erscheint befremdlich, kennen wir Jesus sowie die frühen Christinnen und Christen doch als Vorbilder…

  • Vorboten

    Der Schnee ist kaum von den Wiesen und Feldern verschwunden, schon zeigen sich vereinzelt, manchmal in kleinen Gruppen und oft an unscheinbaren Stellen die ersten blass- oder sonnengelben bzw. zart violetten Blüten der Primeln. Sie trauen sich früh heraus, und das finde ich erstaunlich; in dieser Zeit ist schliesslich noch mit Kälteeinbrüchen zu rechnen. Die Primeln schreckt das offensichtlich nicht ab. Sie blühen als untrügliche Vorboten des Frühlings; ihr Erscheinen weist auf die wärmere, freundlichere und farbigere Zeit hin, die zweifellos kommen wird. Könnten wir doch auf die Verbesserung der menschlichen Zivilisation genauso vertrauen wie auf das Eintreffen der wärmeren Jahreszeit! Diesbezüglich sieht es zurzeit eher düster aus: zunehmende Ungleichheit…