• Ein Traum

    Ein Gespräch: Was macht den Unterschied? A: Ich sehe die Blumen und geniesse die Schönheit. Ich höre den Gesang der Vögel und freue mich darüber. Ich spüre den Wind und lasse mir meine Haare zerzausen. Ich spüre die Umarmung und gebe die Zärtlichkeit zurück. Ich beisse in einen Apfel, koste den Biss und den süsssäuerlichen Geschmack. Ich bin mir bewusst, wie gut es mir geht. B: Auch ich sehe die Blumen und geniesse die Schönheit. Ich sehe das Wunder, wie aus einem Samenkorn ohne mein Zutun, dank Wasser, Sonne, Nährboden und Luft eine Pflanze wächst. Auch ich höre den Gesang der Vögel und freue mich darüber. Ich staune über die…

  • Mitgefühl

    An den Freitagen im September erscheinen Gastbeiträge in den Weg-Worten. Vertreterinnen und Vertreter von Religionsgemeinschaften schreiben über Aspekte ihres Glaubens und ihrer Heiligen Schriften. Der heutige Beitrag aus buddhistischer Sicht stammt von Geshe Lharampa Tenzin Jangchup, Abt des Klosters Rikon. Für das menschliche Leben ist der kostbarste Reichtum ein Herz voller Lebenskraft, Freude und Fröhlichkeit. Da ein Grossteil unserer Erfahrungen – unsere äusseren Bedingungen wie auch unsere inneren Geisteszustände – in Abhängigkeit von anderen entsteht, ist es entscheidend, dass wir dieses wechselseitige Verbundensein erkennen und wertschätzen. Wenn wir Mitgefühl und Altruismus in den Mittelpunkt unseres Lebens stellen, weiten und öffnen sich unsere Gedanken und Handlungen auf natürliche Weise. Pflegen wir…

  • Lieber Jesus, ich hoffe, dir geht es gut

    In unserem Raum der Stille gibt es ein Anliegenbuch. Darin teilen Menschen Gedanken, Sorgen und Wünsche mit anderen – und mit Gott. Vor einiger Zeit habe ich darin einen Text gefunden, der mich berührt: „Lieber Jesus, ich hoffe, dir geht es gut. Ich wünsche dir und deiner Familie viel Gesundheit und Freude. Danke, dass du für meine Familie immer da bist, auch wenn ich für sie nicht da bin.“ Hier wendet sich jemand an Jesus wie an einen sehr vertrauten Freund. Und wie man es bei Freunden tut, drückt man die Hoffnung aus, es möge ihm und seinen Angehörigen gut gehen. Man wünscht Gesundheit. Und dann folgt ein Dank, der…

  • Kränkung

    Erinnern Sie sich daran, wann Sie zuletzt gekränkt wurden? Vielleicht schon. Denn Kränkungen hinterlassen Spuren und sind weit mehr als nur verletzende Worte. Sie treffen uns plötzlich, hart, oft unerwartet. Manchmal genügt schon ein abwertender Blick, ein bissiger Kommentar oder das Gefühl übergangen oder benachteiligt worden zu sein. Und man spürt: Das hat wehgetan! Warum Kränkungen so tief gehen? Weil sie unseren Selbstwert, unsere Ehre, unsere Gefühle oder unsere Würde verletzen. Sie stellen in Frage, ob man richtig ist, so wie man ist. Und das schmerzt. Kein Wunder hängt das Wort «Kränkung» etymologisch mit «krank» zusammen. Denn Kränkungen graben sich tief in die Seele hinein und können Stress auslösen, zu…

  • Der Hinduismus – anders und auch gleich

    An den Freitagen im September erscheinen zum dritten Mal Gastbeiträge in den Weg-Worten. Vertreterinnen und Vertreter von Religionsgemeinschaften schreiben über Aspekte ihres Glaubens und ihrer Heiligen Schriften. Der heutige Beitrag aus hinduistischer Sicht stammt von Guido von Arx. Die Bhagavad-Gita wird manchmal die «Bibel Indiens» genannt. Das Büchlein mit bloss 700 Versen zieht mit ihrer zeitlosen und praktischen Weisheit bis heute Menschen aus Ost und West an. Die 18 Kapitel der Gita (Kurzform) stehen in Bezug zu Yoga: Yoga der Erkenntnis, des Glaubens, der liebenden Hingabe usw. ‹Yoga› bedeutet hier nicht Körperübungen, sondern «sich [mit dem Göttlichen] verbinden». Der Sprecher der Bhagavad-Gita ist Krishna – einer der vielen Namen Gottes…