• Sprung ins eigene Element

    Ein junges Entlein steht an der Kante eines befestigten Quais und äugt hinunter auf das Wasser des Sees, welches sich in einiger Entfernung unter ihm befindet. Soll es springen oder nicht? Einerseits wird das Vögelchen vom Wasser angezogen, schliesslich ist es sein Element. Andererseits spürt man seine Unsicherheit: Was wird passieren? Wird es heil unten ankommen? Dieses Bild weckt eine alte Erinnerung, die ungefähr dreissig Jahre zurückliegt. Während einer Weiterbildung in Luzern genoss ich einen freien Nachmittag und besuchte das berühmte Löwendenkmal. Im Teich davor tummelte sich ein gutes Dutzend Entenküken mit seiner Mutter. Noch während ich die beschauliche Szene betrachtete, stieg die Mutterente aus dem Teich und setzte sich…

  • Tag des Kaffees

    Haben Sie heute früh schon eine Tasse Kaffee genossen? Damit dürften Sie nicht alleine sein. Im Schnitt trinken die Schweizerinnen und Schweizer nämlich zwei Tassen davon pro Tag. In der dampfenden Tasse steckt dabei jede Menge: Kaffee macht uns nicht nur wacher und kurbelt unsere Leistungsfähigkeit an. Nein, er ist darüber hinaus ein stiller Begleiter unserer Erholungspausen, unserer Gespräche mit anderen, unserer Gedanken, unserer Stille. Kaffee bringt die Verbundenheit zwischen uns Menschen zum Ausdruck. Die Bohne wächst in fernen Ländern, reift in der Sonne, wird mit Sorgfalt geerntet und überall auf der Welt verarbeitet. Viele Hände arbeiten daran. Viele Menschen, deren Mühe oft im Verborgenen bleibt. Am Tag des Kaffees…

  • Ein Traum

    Ein Gespräch: Was macht den Unterschied? A: Ich sehe die Blumen und geniesse die Schönheit. Ich höre den Gesang der Vögel und freue mich darüber. Ich spüre den Wind und lasse mir meine Haare zerzausen. Ich spüre die Umarmung und gebe die Zärtlichkeit zurück. Ich beisse in einen Apfel, koste den Biss und den süsssäuerlichen Geschmack. Ich bin mir bewusst, wie gut es mir geht. B: Auch ich sehe die Blumen und geniesse die Schönheit. Ich sehe das Wunder, wie aus einem Samenkorn ohne mein Zutun, dank Wasser, Sonne, Nährboden und Luft eine Pflanze wächst. Auch ich höre den Gesang der Vögel und freue mich darüber. Ich staune über die…

  • Mitgefühl

    An den Freitagen im September erscheinen Gastbeiträge in den Weg-Worten. Vertreterinnen und Vertreter von Religionsgemeinschaften schreiben über Aspekte ihres Glaubens und ihrer Heiligen Schriften. Der heutige Beitrag aus buddhistischer Sicht stammt von Geshe Lharampa Tenzin Jangchup, Abt des Klosters Rikon. Für das menschliche Leben ist der kostbarste Reichtum ein Herz voller Lebenskraft, Freude und Fröhlichkeit. Da ein Grossteil unserer Erfahrungen – unsere äusseren Bedingungen wie auch unsere inneren Geisteszustände – in Abhängigkeit von anderen entsteht, ist es entscheidend, dass wir dieses wechselseitige Verbundensein erkennen und wertschätzen. Wenn wir Mitgefühl und Altruismus in den Mittelpunkt unseres Lebens stellen, weiten und öffnen sich unsere Gedanken und Handlungen auf natürliche Weise. Pflegen wir…

  • Lieber Jesus, ich hoffe, dir geht es gut

    In unserem Raum der Stille gibt es ein Anliegenbuch. Darin teilen Menschen Gedanken, Sorgen und Wünsche mit anderen – und mit Gott. Vor einiger Zeit habe ich darin einen Text gefunden, der mich berührt: „Lieber Jesus, ich hoffe, dir geht es gut. Ich wünsche dir und deiner Familie viel Gesundheit und Freude. Danke, dass du für meine Familie immer da bist, auch wenn ich für sie nicht da bin.“ Hier wendet sich jemand an Jesus wie an einen sehr vertrauten Freund. Und wie man es bei Freunden tut, drückt man die Hoffnung aus, es möge ihm und seinen Angehörigen gut gehen. Man wünscht Gesundheit. Und dann folgt ein Dank, der…