• Schon entschieden!

    Der 4. September ist der Gedenktag an den Erzengel Michael. Am ehesten wissen das wohl Menschen, die «Michael» heissen – es ist ihr Namenstag. Michael erscheint in der Bibel als Erzengel, der einen heftigen Kampf im Himmel gegen «den Drachen und seine Engel» austrägt und gewinnt. Am Ende wird der Drache, das personifizierte Böse, für immer aus dem Himmel vertrieben. Dieser Kampf wirkt auf ersten Blick sehr kriegerisch. Aber vielleicht ist er gar nicht so weit weg von dem, was viele von uns in ihren Gedanken erleben. Viele müssen sich immer wieder, vielleicht sogar mehrmals am Tag von negativen Gedanken freimachen und sich positiven Bildern und Gedanken zuwenden. So ein…

  • Quelle der Liebe

    «Sie liebt mich… sie liebt mich nicht…», «er liebt mich… er liebt mich nicht…». Wer kennt nicht dieses Spiel aus Kindertagen, wo wir mit bangem Herzen durch das Auszupfen von Blütenblättern herauszufinden versuchten, ob unser Schwarm gleich empfindet wie wir. Es war eine Art Orakel und es mochte sogar ausschlaggebend dafür werden, ob wir weitere Schritte der Annäherung wagten oder uns resigniert zurückzogen: eine selbsterfüllende Prophezeiung. Dann wurden wir erwachsen, und der Glaube an die Orakelkraft der Blüten verflüchtigte sich. Was blieb, war die Sehnsucht geliebt zu werden, die Hoffnung, für einen anderen Menschen wichtig zu sein und mit ihm oder ihr gemeinsam durchs Leben zu gehen. Für manche blieb…

  • Der Menschlichkeit verpflichtet

    An den Freitagen im September erscheinen zum dritten Mal Gastbeiträge in den Weg-Worten. Vertreterinnen und Vertreter von Religionsgemeinschaften schreiben über Aspekte ihres Glaubens und ihrer Heiligen Schriften, am 5. September aus islamischer Sicht, am 12. aus hinduistischer, am 19. aus jüdischer und am 26. aus buddhistischer Sicht. Heute steuert Jürgen Rotner, Seelsorger der Bahnhofkirche, einen Gedanken zum Christentum bei. Während des Studiums ist mir eine kleine Erzählung ans Herz gewachsen. Sie steht am Anfang des dritten Kapitels im Markusevangelium und berichtet folgendes: Jesus ging in den Gottesdienst, an dem auch ein Mann mit einer gelähmten Hand teilnahm. Die Gegner Jesu beobachteten genau, ob er den Mann heilen würde; das galt…

  • Selbsterkenntnis

    Die Gedichte des deutschen Lyrikers Eugen Roth lese ich gerne. Besonders die Verse im Band «Ein Mensch», der vor 90 Jahren erschien, bringen mich immer wieder zum Schmunzeln und gleichzeitig zum Nachdenken. Roth betrachtet in diesen Gedichten unsere allzu menschlichen Seiten, und welche Streiche uns die Konventionen und das Denken manchmal spielen. Im heutigen Weg-Wort möchte ich Ihnen das Gedicht «Falscher Verdacht» mit in den Tag geben: Ein Mensch hat meist den übermächtigenNaturdrang, andre zu verdächtigen.Die Aktenmappe ist verlegt.Er sucht sie, kopflos und erregt,Und schwört bereits, sie sei gestohlen,Und will die Polizei schon holenUnd weiss von nun an überhaupt,Dass alle Welt nur stiehlt und raubt. Und sicher ist’s der Herr…

  • Die verschüttete Milch

    Till Eulenspiegel liebte es, die Leute an der Nase herumzuführen und ihnen den Spiegel vorzuhalten. Anfang des 16. Jahrhunderts erschien ein Buch mit 95 Geschichten aus seinem Leben, aber ob er jemals existierte, ist ungewiss. Die 68. Geschichte erzählt, wie Eulenspiegel auf dem Markt zu Bremen Bäuerinnen beim Verkaufen der Milch zusah. Am folgenden Markttag kam er mit einem grossen Bottich, kaufte alle Milch auf und schüttete sie dort hinein. Bei jeder Bäuerin liess er die entsprechende Menge Milch anschreiben. Er bat um Geduld, bis er die Milch beieinanderhabe. Danach werde er jeder Frau ihre Milch bezahlen. Die Bäuerinnen setzten sich in einen Kreis um Eulenspiegel und den Bottich. Als…