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Woher kommt mir Hilfe?
Kennen Sie den Berglerpsalm? So benamst werden Sie ihn im Buch der Bücher auch nicht finden. Anders, wenn Sie den Text vernehmen. Dann werden Sie sogleich verstehen, weshalb ich dem Psalm, es ist der 121., diesen Namen angedichtet habe. Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen: Woher kommt mir Hilfe? Meine Hilfe kommt von Gott, der Himmel und Erde gemacht hat. Er lässt deinen Fuß nicht wanken. Der dich behütet, schläft nicht. Der Herr ist dein Hüter, der Herr gibt dir Schatten; er steht dir zur Seite. Bei Tage wird dich die Sonne nicht stechen, noch nachts der Mond. Der Herr behüte dich vor allem Bösen, er behüte dein…
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Alles, was Odem hat, lobe den Herrn
Der Titel dieses Wegwortes entstammt dem letzten Vers des letzten Psalms (Ps 150) der Bibel. Eine besondere Aura hat Felix Mendelssohn diesem Psalmwort in seiner 2. Symphonie, einer Chorsymphonie, verliehen. Allgemein bekannt ist das Werk unter der Bezeichnung «Lobgesang». Wer diese Symphonie je gehört hat, wird den eingängigen Text und die Grundmelodie künftig mitsingen können, ebenso den miteingewobenen Choral «Nun danket alle Gott». Die Symphonie als Ganzes ist ein einziges Hallelujah und ein durch alle Lande schallender Dank aller Geschöpfe an den einen grossen Gott. In den Worten des mit «Hallelujah» überschriebenen Psalms: Lobt Gott in seinem Heiligtum, lobt ihn in seiner starken Feste.Lobt ihn um seiner machtvollen Taten willen,…
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Wie Franziskus den Glühwürmchen predigte
Per me è un miracolo! Dies der verzauberte Ausruf eines italienischen Freundes beim Anblick eines blitzenden Lichtermeeres von Leuchtwürmchen in einer heissen Julinacht in Todi, einer zauberhaften Kleinstadt in Umbrien, unweit von Assisi, der Wirkungsstätte jenes Heiligen, der der Legende nach nicht nur mit den Tieren sprechen konnte, sondern ihnen auch gepredigt hat. Eine meiner Lieblingspredigten ist an eben diese lucciole, die Glühwürmchen, und durch die Glühwürmchen hindurch, an uns Zweibeiner gerichtet: «Ihr Wunder der Nacht, liebe Glühwürmchen, Schwerstern und Brüder, mein Herz weitet sich zur Welt, mein Geist erhebt sich zu Gott, wenn ich euch sehe. Wie schön ist dieses Aufblitzen dort und hier und hier und dort, ein…
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C. G. Jung und die Religion
Eine der massgebenden Gestalten der Psychologie und Psychiatrie des 20. Jhdts. würde kommenden Samstag, 26. Juli, seinen 150. Geburtstag feiern: Carl Gustav Jung. Er gilt als Begründer der sog. Analytischen Psychologie. Nach anfänglicher Schülerschaft wurde Jung später zu Sigmund Freuds mächtigem Gegenspieler. Für diesen war Religion eine zu überwindende Krankheit. Aufgewachsen in einem reformierten Basler Pfarrhaus, löste sich Jung nach einem ihn überwältigenden Tagtraum im zarten Alter von 14 Jahren aus den konfessionellen Zügeln seines Vaters. Das bedeutete jedoch nicht den Bruch mit der Religion. Im Gegenteil. Für Jung war Gott keine Angelegenheit des Glaubens, sondern der Erfahrung. Im Laufe seiner tiefenpsychologischen Erkundungen entdeckte Jung Gott als eine psychische Tatsache,…
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Das Eigentliche ist unsichtbar
Am 29. Juni vor 125 Jahren wurde in Lyon jener Schriftsteller und Pilot geboren, den heute jedes Kind beim Namen kennt: Antoine de Saint-Exupéry, der Schöpfer der Jung wie Alt berührenden, in über 600 Sprachen und Dialekte übersetzen Kultgeschichte des «Petit Prince», des kleinen Prinzen mit dem grossen Herz. Sätze wie «Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar» sind für unzählige Menschen zu Lebensbegleitern geworden. Doch wer in St. Exupéry allein den lieblichen und verzückenden Poeten erkennt, irrt gründlich. Seine Zeit- und Gesellschaftskritik, seine Analyse der zunehmenden Verrohung, Verflachung und Verblödung der Menschheit und auch seine Sympathie für den Pazifismus reden eine ganz…