• Weihnachten mit Pachamama

    Es wurde in anderen Weg-Worten bereits darauf hingewiesen, dass die diesjährige Weihnachtskrippe aus Peru neben den bekannten Figuren auch über eine Pachamama verfügt, die drei Kokablätter vor ihrem Gesicht hält. Während es sich bei Pacha um ein kosmologisches Prinzip in der Weltanschauung der Andenvölker handelt, steht die Mama für eine weibliche Göttinenfigur, die erst durch die Christianisierung so eindeutig mit Pacha verbunden wurde. Es lässt sich nachweisen, dass sich diese Göttin in der Alltagsreligiosität mit der Gottesmutter Maria vermischt. So wird aus der jungen Frau, die Jesus gebiert eine Urmutter, die für den Erhalt allen Seins sorgt. Mir gefällt, wie sie in der Krippe dargestellt ist: Wie eine Priesterin steht…

  • Im Schutzraum

    Beim Betrachten unserer Weihnachtskrippe aus Peru ist mir ein Detail bei den Figuren Maria und Josef aufgefallen. Ihre Oberkörper sind in eigentümlicher Weise von einer Silberfolie umgeben. Die bedeckt ihre Rücken und Hinterköpfe, gibt vorne Kopf und Brustbereich frei, um sich auf Bauchhöhe zu schliessen. Sind das Überwürfe oder Mäntel? So sehen sie aber überhaupt nicht aus. Deshalb frage ich mich, ob es sich um die Andeutung eines göttlichen Heilsraumes handelt, um so etwas wie eine Aura. Die beiden sind ja in hohem Grade ausgesetzte, gefährdete Menschen: Maria, die eben erst geboren hat, und dies nicht daheim, sondern in der Fremde, ohne Raum in einer Herberge. Und sofort kommen einem…

  • In der Welt vor Anker gehen

    Im 15. Jahrhundert hatte sich in Europa die Schifffahrt so weit entwickelt, dass Reisen über die grossen Ozeane zu anderen Kontinenten möglich wurden. 1492 landete Columbus auf den Bahamas. Kolonien wurden gegründet, und von nun an brachten Segelschiffe wundersame, fremde Waren aus Welten, die für die meisten Menschen unerreichbar waren. Damit einher gingen Erzählungen der Seeleute über diese andere Welt mit ihren Pflanzen, Tieren und Menschen. Das Adventslied „Es kommt ein Schiff geladen“ stammt aus dieser Zeit. Die ältesten drei Strophen sind wohl schon im 14. Jh geschrieben worden, die folgenden vermutlich im 17. Jh. «Es kommt ein Schiff, geladen bis an sein’ höchsten Bord, trägt Gottes Sohn voll Gnaden,…

  • Die Zartheit von Vogelhäuschen

    Aus einer Laune heraus habe ich mir für diesen Advent nach ewig langer Zeit mal wieder einen Adventskalender gekauft. Das Törchen für den 1. Dezember brachte das Bild eines Vogelhäuschens zum Vorschein. Ich war gerührt. Erinnerungen an meine Kindheit wurden wach, als die Mutter solch ein Häuschen auf dem Balkon installierte und dafür sorgte, dass es immer etwas Gutes zu picken gab. Und wir Kinder haben hinter der Balkontür beobachtet, wie die Spatzen, Meisen und Amseln zu Besuch kamen. Man mag einwenden, dass dies einer reichlich rührseligen Romantik von Stadtmenschen entspringe und eigentlich einen unnötigen Eingriff in den Kreislauf der Natur darstelle. Es gehöre eben zur Natur, dass schwache Tiere…

  • Maria – selbstbewusst und sündig?

    Am Anfang des Lukasevangeliums ist zu lesen, wie der Engel Gabriel der Maria verkündigt, sie werde schwanger werden und einen Sohn gebären, dem sie den Namen Jesus geben soll. Dieser werde auch „Sohn Gottes“ genannt werden. Hier sehen wir eine neuere Darstellung dieser Begebenheit von dem deutschen Künstler Jo Karl Huber: Ein verschmitzt-vergnügter dunkelhäutiger Engel – ein „Angel of Color“ – scheint Maria mit grossem Stolz zu segnen. Und eine selbstbewusste Maria nimmt den Segen mit erhobenem Haupt, gerade, mit offenen Händen entgegen. Warum auch sollten Gottes Engel weiss sein?Wieso sollte Gabriel nicht vergnügt sein, wenn er das Heilvolle und Heilsame Gottes verkündet? Weshalb denken wir oft, Maria sollte erschrocken,…