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Böses überwinden

So alt wie die Menschheit selbst ist ihre Sehnsucht, dass das Böse überwunden wird, dass Gewalt und Ungerechtigkeit ein Ende nehmen und endlich Friede auf der Erde Einzug hält, so dass die Völker und Kulturen, die Religionen und Gemeinschaften in Würde und Respekt miteinander leben können.

Der Erzengel Michael an der Fassade der Hofkirche in Luzern; eigenes Foto.
Der Erzengel Michael an der Fassade der Hofkirche in Luzern; eigenes Foto.

Doch wie wird man das Böse los? Kann oder muss man gegen es ankämpfen, lässt es sich vielleicht ausrotten, so wie man Unkraut aus den Gartenbeeten ausreisst und verbrennt? Das war und ist wohl eine weit verbreitete Auffassung, sogar in christlichen Traditionen. Im Buch der Offenbarung müssen die Engel gegen die Mächte des Bösen Krieg führen, bis schlussendlich das Gute siegt. Symbolisch steht dafür der Erzengel Michael, der einen Drachen oder Dämonen tötet, dargestellt auf vielen Kunstwerken und in Kirchen.

Der menschliche Geist tendiert dazu, das Ungute ausserhalb von sich zu sehen, vor allem im Fremden und im Andersartigen. Was nicht verstanden wird, wirkt bedrohlich, muss kontrolliert, eingedämmt, unterdrückt, ausgeschlossen, vielleicht sogar vernichtet werden. Auf diese Weise wird man selbst zu dem, wovor man sich schützen wollte, und der Teufelskreis des Bösen dreht sich weiter.

Im 13. Jahrhundert beschrieb der Theologe Thomas von Aquin einen anderen Blick auf das Böse. Für ihn hat es keine Substanz, ist bloss die Abwesenheit des Guten, so wie die Dunkelheit das Fehlen von Licht ist. Dunkelheit lässt sich nicht mit Dunkelheit überwinden, doch bereits ein kleines Licht durchbricht sie. Ebenso wird Böses durch Gutes vermindert, Spannungen durch Verständnis aufgelöst, Konflikte durch gerechte Einigung beigelegt. Das ist der Weg Jesu, den der Apostel Paulus so in Worte fasst: «Lass dich nicht vom Bösen besiegen, sondern besiege das Böse durch das Gute!» (Römerbrief 12,21) (jr)