C. G. Jung und die Religion
Eine der massgebenden Gestalten der Psychologie und Psychiatrie des 20. Jhdts. würde kommenden Samstag, 26. Juli, seinen 150. Geburtstag feiern: Carl Gustav Jung. Er gilt als Begründer der sog. Analytischen Psychologie. Nach anfänglicher Schülerschaft wurde Jung später zu Sigmund Freuds mächtigem Gegenspieler. Für diesen war Religion eine zu überwindende Krankheit.
Aufgewachsen in einem reformierten Basler Pfarrhaus, löste sich Jung nach einem ihn überwältigenden Tagtraum im zarten Alter von 14 Jahren aus den konfessionellen Zügeln seines Vaters. Das bedeutete jedoch nicht den Bruch mit der Religion. Im Gegenteil. Für Jung war Gott keine Angelegenheit des Glaubens, sondern der Erfahrung. Im Laufe seiner tiefenpsychologischen Erkundungen entdeckte Jung Gott als eine psychische Tatsache, wohnend auf dem Seelengrund eines jeden Menschen. In einem Brief an einen befreundeten Theologen und Psychotherapeuten formulierte er diese Erkenntnis so:
«Unter allen meinen Patienten jenseits der Lebensmitte, ist nicht ein einziger, dessen endgültiges Problem nicht das der religiösen Einstellung wäre. Ja, jeder krankt in letzter Linie daran, dass er das verloren hat, was lebendige Religionen ihren Gläubigen zu allen Zeiten gegeben haben, und keiner ist wirklich geheilt, der seine religiöse Einstellung nicht wieder erreicht, was mit Konfession oder Zugehörigkeit zu einer Kirche natürlich nichts zu tun hat.»
Jung hat seine Gotteserfahrung in Kurzform auch auf den Türbogen seines Wohnhauses in Küsnacht eigenhändig in Stein gemeisselt. VOCATUS ATQUE NON VOCATUS DEUS ADERIT. Gerufen oder ungerufen, Gott wird da sein. Und in einem letzten Interview, geführt mit einem Reporter der BBC, antwortete Jung auf dessen Frage, ob er an Gott glaube,
ohne jedes Zögern: „I do not belief in God, I know“. Zu Deutsch: Ich glaube nicht an Gott, ich weiß ihn. Wer so
spricht, bleibt ewig Jung.
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