Calore
Als ich kürzlich in Italien war und aus dem Hotelzimmer gehen wollte, fiel mir der Sonnenstrahl auf, dieses weiche südliche Licht, das durch die Balkonläden auf den Heizungskörper traf. Ein Detail, ein kurzer Gedanke. Und irgendwie paradox: Da trifft Sonnenlicht – calore, Wärme – auf ein Heizelement, das per definitionem von innen heraus Wärme an einen Raum abgibt. Ein ambivalentes Gefühl, das mich zu ein paar Gedanken über Wärme führt.
Es gibt zum einen die physikalische Wärme. Es gibt zum andern die zwischenmenschliche Wärme, die wir in einem Blick, einer Umarmung, im Zuhören, in einer Geste erfahren. Sie lässt uns aufatmen und erinnert uns daran, dass wir nicht allein sind.
Die innere Wärme wiederum wächst, wenn wir gut mit uns selber umgehen: wenn wir zur Ruhe kommen, uns annehmen, kreativ sind oder unserem Körper Sorge tragen. Und schliesslich gibt es die göttliche Wärme, die Gegenwart Gottes, die den Menschen trägt, tröstet und verwandelt.
Theologisch sind diese vier Wärmeformen jedoch nicht vier verschiedene Quellen. Denn die ist gemäss der Bibel immer Gott. Was ich hier formuliere, ist für einen gläubigen Menschen nichts Neues.
Was heute mal interessant sein könnte, wäre eine kleine geistliche Übung: Warum nicht jede Alltagserfahrung mit einer dieser vier Wärmeformen bewusst zu einem Gebet machen? Den Weg der Wärme in Gedanken zu-rückverfolgen zu ihrem Ursprung, ihrer Quelle mit einem Danke an Gott.
Denn Er schenkt nicht nur Wärme.
Er ist sie auch. (ve)
