• Ohne Kirche

    Heidi Reichinnek ist ein Politstar. Die deutsche Bundestagsabgeordnete der Partei „Die Linke“ hat auf Instagram 879’000 Follower:innen, auf TikTok 636’100. Die 37-Jährige steht für eine dezidiert soziale Politik. Sie bekämpft Kinderarmut und setzt sich für Gleichberechtigung von Frau und Mann ein. Letztes Jahr ist Reichinnek aus der Kirche ausgetreten. Dies v.a. deshalb, weil sie nicht gläubig ist. Das Christentum spielt in ihrem Leben allerdings eine wichtige Rolle. Sie ist in einer christlichen Familie aufgewachsen und hat ein grosses Interesse an Religionen. Seit 2021 ist sie bei der Evangelischen Jugendhilfe in Osnabrück angestellt – einem kirchlichen Arbeitgeber. Ihr Engagement für sozial Schwache ist ohne diese Prägung wohl kaum zu denken. Die…

  • Grosszügiger werden

    Die Hilfsorganisation Oxfam hat gerade ihren Bericht zur sozialen Ungleichheit veröffentlicht und stellt fest, dass im Jahr 2025 das Vermögen der Milliardäre um 2,5 Billionen US-Dollar angewachsen ist. Der Anstieg entspricht nahezu dem, was die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung besitzt. Das skandalöse Gefälle zwischen arm und reich verschärft sich weiter, eine Trendwende ist nicht in Sicht. Oft reagieren Leute auf solche Nachrichten resigniert mit den Worten: «Wer hat, dem wird gegeben; wer aber nicht hat, dem wird auch noch weggenommen, was er hat.» Der Satz stammt aus der Bibel, aus dem vierten Kapitel des Markusevangeliums. Das erscheint befremdlich, kennen wir Jesus sowie die frühen Christinnen und Christen doch als Vorbilder…

  • Konsequent Mensch werden

    Der Monat neigt sich dem Ende zu und mit ihm verblassen auch die konsequentesten Vorsätze langsam. Für einige Menschen ist der Januar nicht nur der Monat, in dem sie ein Fitnessabo abschliessen, eine neue Meditationsroutine in ihren Alltag einbauen oder endlich mit dem Rauchen aufhören; es ist ein neuartiger Verzichtsmonat, ein «Veganuary» (veganer Januar) oder ein «Dry January» (alkoholfreier Januar). Viele Menschen testen ihr Durchhaltevermögen und entsagen in diesem Monat ihrem «inneren Schweinehund» auf besonders vehemente Art und Weise. Die Ernüchterung über solche Willensübungen ist aber oft gross. Der eigene Wille bleibt oft hinter den Erwartungen zurück. Und spätestens, wenn niemand anders mehr zuschaut oder der eigene Verzicht seine Neuigkeit…

  • Vorboten

    Der Schnee ist kaum von den Wiesen und Feldern verschwunden, schon zeigen sich vereinzelt, manchmal in kleinen Gruppen und oft an unscheinbaren Stellen die ersten blass- oder sonnengelben bzw. zart violetten Blüten der Primeln. Sie trauen sich früh heraus, und das finde ich erstaunlich; in dieser Zeit ist schliesslich noch mit Kälteeinbrüchen zu rechnen. Die Primeln schreckt das offensichtlich nicht ab. Sie blühen als untrügliche Vorboten des Frühlings; ihr Erscheinen weist auf die wärmere, freundlichere und farbigere Zeit hin, die zweifellos kommen wird. Könnten wir doch auf die Verbesserung der menschlichen Zivilisation genauso vertrauen wie auf das Eintreffen der wärmeren Jahreszeit! Diesbezüglich sieht es zurzeit eher düster aus: zunehmende Ungleichheit…

  • Januar-Leere

    Ende Januar fühlt sich oft leer an. Der Winter ist noch nicht vorbei, aber seine Dramatik ist verbraucht. Der Frühling ist noch nicht da, nicht einmal als Versprechen. Kein grosses Fest steht vor uns. Kein Höhepunkt, auf den man hinlebt. Nur Zeit. Und Stille. Und dieses merkwürdige Dazwischen. Diese Leere kann irritieren. Sie fühlt sich an wie ein Raum, in dem nichts geschieht. Wie ein Atemzug, der zu lange anhält. Man fragt sich: Sollte da nicht mehr sein? Mehr Sinn, mehr Wärme, mehr Richtung? Es gibt das sich Leeren um der Leere willen. Doch die christliche Erfahrung meint etwas anderes. Hier ist Leere kein Endpunkt. Sie ist ein Übergang. Leere…