• Geheimnis des Wachsens

    Ich habe im Garten Furchen gezogen, um Kartoffeln zu stecken. Immer wieder kamen Gartennachbarn vorbei und haben ein paar Worte mit mir gewechselt. Die einen haben Bemerkungen zur vielen Arbeit gemacht, die in einem Garten zu tun ist: «Fleissig am Arbeiten!» oder «Ganz schön viel zu tun, so ein Garten!»  Es gab aber auch Gartennachbarn, die dieselbe Situation anders betrachteten. Sie sagten: «So schön, wie jetzt alles wieder wächst!» Ihr Blick ist weiter und geht über den eigenen Garten hinaus. Jesus lenkt unsre Aufmerksamkeit vom Säen aufs Wachsen:  «Mit dem Reich Gottes ist es so wie wenn jemand Samen aufs Land wirft. Er schläft und steht auf, Nacht und Tag. Und…

  • Ich glaube an etwas, das ich überhaupt nicht verstehe

    Als sie 15 war – unsicher, voller Fragen und Zukunftsängste – wurde sie in eine Evangelisationsveranstaltung eingeladen. Dort bekehrte sie sich zu Christus. Endlich Gewissheit, endlich etwas, woran sie sich halten konnte! „Der Heilige Geist hat an dir gewirkt“, sagte der Prediger. „Der Heilige Geist hat an mir gewirkt“, glaubte auch sie. Ein paar Jahre später wurde ihr klar, dass sie sich einer Illusion hingegeben hatte: Sie konnte nicht glauben, dass jedes Wort in der Bibel von Gott kommt und dass die Tiefe, die sie in der Liebe zu einem Mann erlebte, Sünde sein sollte, nur weil sie nicht mit ihm verheiratet war. „Ich habe mich getäuscht“, sagte sie. „Das…

  • Raum der Verschwiegenheit

    Die Karlsbrücke in Prag gehört zu den grossen Touristenmagneten in der tschechischen Hauptstadt. Wer auf ihr entlang gegangen ist, wird neben den 30 unübersehbar grossen Heiligenstatuen auch kleinere Bronzereliefs entdeckt haben, die an bestimmten Stellen durch die Berührungen von Besuchenden ganz blankgescheuert sind. Die Reliefs stellen Szenen aus der Legende des Heiligen Johannes Nepomuk dar. Der Priester wurde im Jahr 1393 auf Geheiss des Königs Wenzel IV umgebracht und von der Brücke in die Moldau geworfen. Der Legende nach soll Johannes Nepomuk der Beichtvater der Königin gewesen sein. Der eifersüchtige Wenzel vermutete ihre Untreue und drängte den Priester, das Beichtgeheimnis zu brechen. Als dieser sich standhaft weigerte, liess der König…

  • Musikalische Versöhnung

    Kürzlich konnte ich in der sächsischen Messestadt Leipzig ein paar Urlaubstage verbringen. Angenehm überraschte mich, wie aufgeräumt, grün und grosszügig diese Stadt mit ihren Parks und Plätzen erschien und wie viele Sehenswürdigkeiten auf dem überschaubaren Raum der historischen Altstadt zu entdecken waren. Leipzig ist zweifellos eine Reise wert! Die Leipziger Thomaskirche gilt als herausragendes Zentrum evangelischer Kirchenmusik und war Wirkungsort des Barock-Meisters Johann Sebastian Bach, der hier seine Kantaten, Motetten und Choralvorspiele aufführte. Am vierten Mai durften wir in dieser Kirche ein A-Capella-Konzert miterleben. Die Tallis Scholars aus England führten unter dem Titel «Inspired by the Sistine Chapel» geistliche Werke der Renaissancezeit auf. Es erklang also Musik, die am päpstlichen…

  • Der Tod und das Foto

    Wahrscheinlich haben Sie das auch schon erlebt: Ein lieber, nahestehender Mensch ist gestorben und Sie stellen ein Foto von ihm/ihr auf. Vielleicht platzieren Sie eine Kerze davor, die Sie jeden Tag anzünden. Und jeden Tag betrachten Sie das Foto viele Male. Es tut weh, macht unendlich traurig, und doch tröstet es, wenigstens das Gesicht anschauen zu können. Das verbindet mit ihr/ihm. Mit der Zeit, über die Monate und Jahre, verändert sich der Blick auf das Foto. Es steht da, aber Sie schauen nicht mehr so lange darauf und empfinden nicht mehr gleich, wenn Sie es ansehen. Es tut nicht mehr so weh. Und irgendwie  wird das Bild auch seltsam fremd.…