Das Vermissen bleibt
Heute würde meine gute Freundin Nadine ihren 46 Geburtstag feiern. Ich denke wie immer an diesem Datum ganz besonders an sie. Gemeinsam feiern können wir schon seit 10 Jahren nicht mehr miteinander. Denn Nadine ist gestorben. Es gibt Verluste, die begleiten uns ein Leben lang. Ganz bestimmt gibt es auch in Ihrem Leben einen oder mehrere Menschen, die sie schmerzlich vermissen. Man sagt: «Mit der Zeit wird es besser.» Und auf eine Art stimmt das auch. Der Alltag kehrt zurück, die Gedanken kreisen auch wieder um andere Dinge, das Herz wird ruhiger, man kann wieder Freude empfinden. Aber das Vermissen? Das ist auch noch nach vielen Jahren da.
Forscher sprechen da von «integrierter Trauer». Das bedeutet, dass der Verlust zwar ein Teil des eigenen Lebens bleibt, dass ein Mensch aber gelernt hat, damit zu leben. Was auch klar ist: Erinnerungen an geliebte Menschen sind tief im emotionalen Gedächtnis verankert. Auch Jahre nach einem Verlust kann beispielsweise ein bestimmter Moment, ein Duft, ein Lied oder ein Foto dazu führen, dass sich die Trauer wieder ganz akut anfühlt. Trauer verläuft nun mal nicht linear, sondern kommt in Wellen. Für mich ist es keine Schwäche, wenn ich heute traurig bin und meine Freundin ganz fest vermisse. Es zeigt, dass da echte, freundschaftliche, tiefe Verbindung war. Und dass diese Verbindung nicht einfach aufhört, nur weil jemand gestorben ist.
Und dann bleibt da über allem die Hoffnung, wovon im Buch der Offenbarung gesprochen wird. «Gott wird jede Träne von ihren Augen abwischen: Der Tod wird nicht mehr sein, keine Trauer, keine Klage, keine Mühsal.» (Offb 21,4) Ein Bild dafür, dass Schmerz und Vermissen doch nicht ewig bleiben, auch wenn sie heute noch da sind.
