Das wahre Wunder

Glauben Sie an Wunder? Glauben Sie an die Wunder in der Bibel? Oder haben Sie vielleicht selbst schon ein Wunder erlebt?

Vielleicht haben Sie auch schon gebetet für ein Wunder: für sich selbst oder für andere Menschen. Doch trotz all Ihrem Beten ist kein Wunder geschehen. Vielleicht haben Sie sich gefragt: Habe ich zu wenig gebetet? Liebt Gott mich weniger als andere Menschen? Ist Gott ungerecht?

Ich traue Gott alles zu. Aber nicht, dass Gott ungerecht ist. Darum habe ich Mühe mit so manchen Wundern. Vor allem mit Wundern, die zeigen sollen, dass Gott einzelne Menschen bevorzuge. Oder mit Wundern, die vermeintlich die Naturgesetze ausschalten. Ich vermute: Hinter solchen Wundern stecken manch mal überhöhte menschliche Erwartungen.

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Ja, die Bibel erwähnt Wunder. Auch die Wunder Jesu. Doch Jesus und die Evangelisten sind auffällig zurückhaltend mit Wundern. Im Johannesevangelium kommt das Wort Wunder nur einmal vor. Und zwar als Vorwurf. Jesus sagt: «Wenn ihr nicht Zeichen und Wunder seht, glaubt ihr nicht» (Joh 4,48). Jesus wirft den Menschen vor: Sie brauchen Wunder, um zu glauben.

Auch ohne Wunder erfahren wir doch so viel Wunderbares. Auch jetzt im Herbst: Etwa wenn welke Blätter in der Sonne goldig leuchten. Oder wenn uns über der Nebeldecke eine herbstlich klare Fernsicht erwartet.

Auch im Alltag erfahren wir so viel Wunderbares: Wenn ungetröstete Menschen Trost finden. Oder wenn hoffnungslose Menschen wieder Hoffnung schöpfen.

So erfahren wir auch ohne Wunder immer wieder wunderbar: Schon unsere Welt ist durchlässig für Gottes Reich.

Für mich sind solche Erfahrungen das wahre Wunder des Glaubens.