Dem Schatten begegnen

«Seelenlandschaften» – so lautet die noch bis zum 15. Februar im Landesmuseum Zürich zu besichtigende Ausstellung über den bedeutenden Schweizer Psychiater und Tiefenpsychologen C. G. Jung. Auf dem Rundgang werden wir Zeugen der Auseinandersetzung Jungs mit den bahnbrechenden Studien seines Lehrers Sigmund Freud sowie den Aus- und Einwirkungen der tiefenpsychologischen Entdeckungen der beiden Seelenerforscher auf Literatur, Kunst, Philosophie und Gesellschaft.

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Im Mittelpunkt der Ausstellung steht «Das Rote Buch», in welchem Jung uns einen tiefen, teils furchterregenden Einblick in sein Innenleben gewährt. Die darin von Jung kunstvoll gestalteten eigenen Traumbilder konfrontieren den Betrachter mit den zwei Seelen in des Menschen Brust. Jung nennt die von uns ins Unbewusste verstossenen, verleugneten dunklen und bösen Seelenanteile den «Schatten». Wer nicht Sklave und Opfer seines Schattens werden will, muss bereit sein, sich ihm, seinen Fratzen und Dämonen zu stellen.

Jung fordert auf, uns auszusöhnen mit der Erkenntnis, dass in uns nicht nur Liebe ist, sondern auch Hass, nicht nur Licht, sondern auch Finsternis, nicht nur Grund, sondern auch Abgrund, ja dass es, mit Goethe gesprochen, keine Schandtat auf dieser Erde gibt, deren Urheber wir nicht selbst auch sein könnten.

Den Schatten annehmen heisst jedoch nicht, ihn einfach auszuleben. Im Gegenteil, wer um die dunklen Seiten in sich weiss, der braucht sie nicht mehr auf andere zu übertragen oder an ihnen auszuleben. Denn der nicht verdrängte Schatten macht Platz dem Licht.