Den Dingen Zeit geben

Wussten Sie, dass es noch nicht einmal 200 Jahre her ist, seit der erste Mensch fotografiert wurde? Und dass es in den Anfängen der Fotografie mehrere Minuten, manchmal sogar Stunden, dauerte, um auch nur ein einziges Bild aufzunehmen? Für ein Portrait mussten Menschen für eine gewisse Zeit absolut stillhalten, oft auf speziellen Stühlen fixiert, damit eine Aufnahme gelang. Heute ist es nur ein Klick mit dem Smartphone und die Bilder entstehen in einem Bruchteil einer Sekunde. Durchschnittlich rund 2000 Aufnahmen trägt jeder Mensch auf seinem Natel mit sich herum. Viele dieser Bilder werden nie wieder angeschaut.

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Wir leben in einer Zeit, in der alles schnell gehen muss. Ich würde sogar so weit gehen und behaupten: wir haben das Warten verlernt. Antworten sollen sofort kommen, Ergebnisse am besten gestern. In einer Welt, in der alles sofort verfügbar ist, wirkt es wie ein Anachronismus, den Dingen Zeit zu geben. Aber gleichzeitig brauchen viele der wirklich wertvollen Dinge in unserem Leben genau das – Zeit nämlich. Vertrauen wächst nicht in Eile. Innerer Frieden entsteht selten zwischen der Beantwortung von zwei Emails. Liebe wächst nicht dann, wenn wir gerade auf dem Sprung sind. Die Bibel macht uns mit einem einfachen Bild klar, dass Geduld eine Schlüsselkompetenz ist. «Darum, Brüder und Schwestern, haltet geduldig aus (…) Siehe, auch der Bauer wartet auf die kostbare Frucht der Erde, er wartet geduldig auf sie (…)» (Jakobus 5,7) Geduld bedeutet hier nicht passiv zu sein, sondern verstanden zu haben, dass Wachstum seine Zeit braucht. Ich versuche heute etwas geduldiger in den Tag zu gehen und meine Augen zu öffnen für die Schönheit, die im langsamen Wachsen liegt. Und zu akzeptieren, dass manches Bild erst dann wirklich entsteht, wenn wir ihm Zeit lassen, sich zu entwickeln.