Der 13. November
Heute vor 10 Jahren ermordeten Terroristen des Islamischen Staates in Paris 130 Menschen. 683 wurden verletzt. Unzählige verloren ihre Liebsten oder müssen für den Rest ihres Lebens mit schweren Traumata weiterleben.
Nachdem zuvor bereits die Redaktion der Satirezeitschrift Charlie Hébdo überfallen worden war, bewirkten die Anschläge im November eine breite Verunsicherung weit über die Grenzen Frankreichs hinaus.
2015 war auch die Zeit, in der in Syrien Bürgerkrieg tobte. In dem Land also, in dem der Islamische Staat ein Kalifat gegründet hatte. Das zwang unzählige Menschen zur Flucht.

In dem Spital, in dem ich damals arbeitete, lernte ich eine geflüchtete Familie kennen.
Ich traf die Leute auch am Sonntag nach den Pariser Attentaten. Sie erzählten mir, dass sie sich als liberale und weltoffene Syrer:innen genauso vor dem IS fürchteten wie wir Europäer. „Diese Menschen sprechen von einem islamischen Staat, aber sie sind keine Muslime“ hielten sie fest.
Europa ist längst kein weisser christlicher Kontinent mehr, der vom fremden Islam bedroht wird. Vielmehr sind wir multikulturelle und multireligiöse Gesellschaften, die von Gegnern der Vielfalt und Toleranz jeglichen Hintergrundes angegriffen werden. Das ist mir bei der Begegnung mit der Familie bewusst geworden.
In der Bahnhofkirche kommen jeden Tag viele Menschen verschiedener Religionszugehörigkeit zusammen. Manchmal beten wir gleichzeitig in unterschiedlichen Sprachen und Riten. Es gibt kaum je Probleme. Und wenn, dann meist durch Christ:innen, die sich durch die Toleranz offenbar bedroht fühlen. Unsere muslimischen Nutzer:innen wissen die Vielfalt zu schätzen.
Gott sei Dank: Koexistenz in Verschiedenheit ist möglich.
Abb: Gedenkfeier nach den Attentaten, Place de la République, Paris. Foto: Mstyslav Chernov, Wikimedia Commons