Der Liebe zuliebe
Ich gebe zu: Es gibt Leute, die gehen mir auf den Wecker. Nicht so Konstantin Wecker, der begnadete deutsche Liedermacher. Im Gegenteil. Sein 1977 erschienenes Lied «Heute haben’s den Willy erschlagen» war für uns Spät-68er ein Weckruf. Es handelte von Willy, einem Freund Weckers, der tatsächlich in einer Kneipe von Rechtsradikalen zu Tode geprügelt wurde. Mit seinen eindringlichen Liedern und Texten wurde er zur mahnenden Stimme einer ganzen Generation. Bis heute erhebt der bald 80-jährige seine Stimme leidenschaftlich gegen alle Formen von Krieg, Hass und Gewalt, tritt auf und ein für Frieden und Gerechtigkeit, für einen anderen Umgang der Menschen miteinander und mit der Natur, ermutigt uns an das Gute zu glauben und das Gute zu tun.
Seit Jahresbeginn tourt Wecker singend und erzählend durch die deutschen Lande. Dem Programm zugrunde liegt sein jüngstes Buch «Der Liebe zuliebe». Darin legt er Zeugnis ab von seiner lebenslangen labyrinthischen Suche nach Sinn, nach dem «mehr als alles», nach dem grossen Geheimnis des Seins, nach Wegen zu einem inneren und äusseren Frieden. In der Liebe erkennt der durch Alkoholsucht und Drogenexzesse, Depressionen und Wahnvorstellungen immer wieder am Abgrund Tanzende die Liebe, auch die Liebe zu Gott, als das einzige Tor zum wahren Glück. «Ich wollte endlich der werden, den ich in meinen Liedern besinge: der Zärtliche, der Friedfertige, der Liebende, der Hörende. Einer, der weiss, was wesentlich ist. Das tägliche Meditieren, die Menschen, die mir zur Seite gestanden sind, die Musik, die wunderbare Texte alter Mystiker – sie haben mir gut getan. Ohne die Rückbesinnung auf die Kraft der Spiritualität hätte ich es vermutlich nicht geschafft, einen neuen Weg einzuschlagen.»
