Der unentschiedene Monat
Nach den üppigen Feiertagen wirkt der Januar auf viele Menschen leer und auch düster. Vielen fällt es schwer auszuhalten, dass sie nun weniger Menschen treffen und im Alltag weniger festliche Stimmung herrscht als noch zur Weihnachtszeit. Zugleich sind die Tage immer noch mehrheitlich dunkel und mancherorts auch oft bewölkt.
Der Januar hat seinen Namen von Janus, der doppelköpfigen antiken Gottheit des Übergangs. Er schaut gleichzeitig zurück und nach vorne. Es scheint fast so, als könne er sich selber nicht recht entscheiden, ob er seine Gedanken eher der Vergangenheit oder eher der Zukunft widmen soll. Auch diese Unentschiedenheit ist schwer auszuhalten.
Manchmal sind Leere und Unentschiedenheit aber besser als nichts. Während sich in unserer Welt Schlagzeilen und Schreckensmeldungen abwechseln und viele Menschen erwarten, dass sofort auf alle Impulse reagiert wird, bietet der Januar eine Gelegenheit dem Ping-Pong von Reiz und Reaktion eine Absage zu erteilen.

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Tatsächlich wissen wir vieles noch nicht. Im Januar dürfen wir das regelrecht zelebrieren. Er verschafft uns einen Moment Zeit nehmen, bevor wir wissen müssen, wie das Jahr für uns weitergeht. Wenn wir diesen Moment, diese doppelköpfige Phase bewusst aushalten, bringt sie uns vielleicht sogar noch eine neue Einsicht, ein unbekanntes Gefühl oder sogar einen Zugang zum Frieden, der dem Trubel der Welt immer gegenüber ist.