Der vierte Weise aus dem Morgenland

Einer Legende nach soll es neben den traditionellen drei Weisen aus dem Morgenland, die Jesus an der Krippe besuchten, noch einen vierten gegeben haben. Dieser hatte auf dem Weg zum Stern den Anschluss verloren und sich irgendwo in den Osten verirrt.

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Auf seinem Irrweg kam er zu einem Begräbnis eines jungen Familienvaters. Dessen Frau und die Kindern schritten hinter dem Sarg her und erschienen verzweifelt, da die Kinder verdingt werden sollten. Der Weise überlegte nicht lange, kaufte die Kinder frei und zog seines Weges. Wiederum Jahre später kam er durch ein Land, in dem Krieg herrschte. Ein Dorf sollte zur Vergeltung dem Erdboden gleich gemacht werden. Die Einwohner schrien vor Verzweiflung. Der Weise kramte er in seiner Tasche den letzten Edelstein hervor und bot ihn den Angreifern als Lösegeld für das Dorf an. So wurde es verschont. Schliesslich kam er in eine Hafenstadt, wo er – nunmehr mittellos – beobachtete wie einer auf eine Galeere geführt wurde. Der Weise ging unverzüglich dazwischen und bot sich selbst anstelle des Schuldners zum Galeerendienst an. Erst Jahre später kam er wieder frei.

Zuletzt sah er den Stern doch wieder. Ausserhalb der Stadt Jerusalem blieb dieser über einem am Kreuz verurteilten Aufwiegler namens Jesus stehen. Dieser hauchte gerade seinen Lebenshauch aus und starb. War der Weise etwa zu spät gekommen? Keinewegs! Jesus hatte den Weisen kurz vor seinem Tod noch voll Güte und Liebe angeblickt. Dieser Blick allein genügte ihm für die Gewissheit, dass er auf seinem langen Umweg dem neugeborenen König schon oft begegnet war – ohne es zu merken.