Des Christus
Der Sommer macht etwas mit uns. Die Tage sind lang. Die Menschen sind im und am Wasser, auf Terrassen und unter Bäumen; das Leben findet gefühlt draussen statt. Wir bewegen uns freier.
Und doch leben wir in inneren Gegensätzen, die unfrei machen können. Wir versuchen, Erwartungen zu erfüllen, Rollen gerecht zu werden. Wir fragen uns, ob wir genügen. Ob wir dazugehören. Ob wir richtig sind.
Die Welt teilt ein. Erfolgreich oder erfolglos. Jung oder alt. Mann oder Frau. Einheimisch oder fremd. Religiös oder nicht religiös. Solche Unterschiede helfen, die Welt zu ordnen. Problematisch werden sie dort, wo sie beginnen, über den Wert eines Menschen zu entscheiden.
Paulus erinnert seine Gemeinden an etwas anderes (Gal 3, 28). Er nennt Gegensätze seiner Zeit: Jude und Grieche, Sklave und Freier. Doch seine eigentliche Aufmerksamkeit gilt nicht den Unterschieden. Sie gilt der Zugehörigkeit: Ihr gehört Christus. Was für ein bemerkenswerter Gedanke. Nicht: Ihr müsst gleich werden. Nicht: Eure Unterschiede müssen verschwinden. Nicht: Eure Geschichte verliert ihre Bedeutung. Sondern: Es gibt etwas Tieferes als all das. Ihr gehört Christus.
Darin liegt das Geheimnis geistlicher Freiheit. Der eigene Wert muss nicht ständig bewiesen werden. Es muss nicht gegen andere verteidigt werden. Er hängt nicht von Herkunft, Leistung, Bildung, Ansehen oder Erfolg ab. Wer Christus gehört, empfängt seine Würde nicht aus dem Vergleich. Er empfängt sie aus einer Beziehung.
Nicht von den Gegensätzen dieser Welt bestimmt sein.
Sondern wissen, zu wem man gehört: des Christus. (ve)
