Die Liebe anziehen

Die Temperaturen sind in diesen Tagen schon merklich kühler geworden, und ganz automatisch greifen wir dann zu wärmerer Kleidung, nehmen das Hemd mit den langen Ärmeln und die Hosen mit dem dickeren Stoff, ziehen vielleicht sogar einen Pullover über und schlüpfen in den längeren Mantel statt in das leichte Jäckchen. Wenn nötig, kommen sogar Schal, Kappe und Handschuhe dazu.

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Kleider haben seit jeher eine Schutzfunktion gegen Kälte, Wind, Regen und all die Auswirkungen der Witterung. Wir Menschen haben das aus Ermangelung eines Felles, wie es viele Säugetiere besitzen, nötig. Kleidung hat aber noch ganz andere Funktionen: Sie kann vor ungewollten Blicken schützen oder gewollte anziehen, sie kann den Status in der Gesellschaft zum Ausdruck bringen, sowohl Zugehörigkeit als auch Individualität ausdrücken.

«Bekleidet euch also, als Erwählte Gottes, Heilige und Geliebte, mit innigem Erbarmen, Güte, Demut, Milde, Geduld! Ertragt einander und vergebt einander, wenn einer dem anderen etwas vorzuwerfen hat! Wie der Herr euch vergeben hat, so vergebt auch ihr! Vor allem bekleidet euch mit der Liebe, die das Band der Vollkommenheit ist!»

So lesen wir im Brief des Paulus an die Gemeinde von Kolossai im dritten Kapitel, und es mag verwundern: Die aufgezählten Tugenden scheinen wenig geeignet zu sein, im manchmal rauen Umgang Schutz zu bieten. Vielleicht will der Apostel uns einladen, wie beim täglichen Ritual des Anziehens die guten Eigenschaften in unseren Alltag zu nehmen. Und das Gewand der Liebe macht uns erkennbar als Menschen, die für Verbundenheit einstehen.