Die Magie vom Reden und Zuhören
In Luzern stehen grüne Parkbänke am Quai, im Alten Friedhof, beim Konservatorium und an vielen weiteren Orten. Auf einzelnen steht in grosser Schrift «Plauderbänkli» geschrieben und klein daneben: «Lust zu plaudern? Hier hat’s noch Platz!» Ob diese Bänke tatsächlich dazu genutzt werden, dass nicht bekannte Personen miteinander ins Gespräch kommen, wage ich zu bezweifeln. Häufig sind die Hemmungen doch zu gross, um fremde Menschen ohne einen triftigen Grund anzusprechen.
Dabei wäre es solch eine wertvolle und wohltuende Sache. Am Sonntag habe ich in der Radiosendung «Musik für einen Gast» von der Journalistin und Rätselautorin Trudy Müller-Bosshard etwas darüber gehört. Sie sagte: «Ich habe mir vorgenommen, dass ich jeden Tag mit einem Menschen spreche, den ich nicht kenne. … Ich glaube, das könnte eine Massnahme sein, um Gegensteuer zu geben gegen das, was an Hass gerade abgeht und auch nach unten an Ressentiment weitergegeben wird; dass man miteinander kommuniziert und menschlich ist. … Es gibt einem so viel, was auch zurückkommt, man erfährt so schöne Geschichten, und dann am Schluss einfach voneinander gehen, dann hat sich der Tag schon gelohnt.»
Es braucht schon etwas Überwindung, um den ersten Schritt zu tun, häufig reicht schon ein netter Gruss oder ein freundliches Wort, um ein Gespräch in Gang zu bringen. Es kann Mut kosten, etwas Bedeutsames von sich selbst zu erzählen, was hinter die Fassade blicken lässt und den Worten Tiefe gibt. Besonders wertvoll ist das aufmerksame Zuhören, ohne schon gleich im Kopf eine Entgegnung vorzubereiten. Reden und Zuhören haben eine spirituelle Dimension: dass wir uns als Gottes Geschöpfe und seine Kinder anerkennen, dass wir voneinander lernen und etwas von der göttlichen Zuwendung füreinander leben. Also warum sich nicht einmal mit jemandem auf ein Plauderbänkli setzen! (jr)
