Die Wahrnehmung der Welt
Letzten Freitag haben die Vereinten Nationen mit grosser Mehrheit beschlossen, dass zukünftig eine Weltkarte verwendet werden soll, welche die wahren Grössenverhältnisse der Kontinente, Länder und Inseln besser berücksichtigt. Seit dem 16. Jahrhundert war die sogenannte Mercator-Projektion in Gebrauch, welche winkeltreu ist, dafür die Länder zunehmend auseinanderzieht, je näher sie den Polen kommen. In dieser Darstellung wirkte z.B. die Insel Grönland fast so gross wie der gesamte Kontinent Afrika. Eine Konsequenz der neuen Darstellung ist, dass Europa etwas mehr an den oberen Rand rutscht und insgesamt kleiner wirkt.
Die Bemühungen um die Weltkarte bringen mich zum persönlichen Nachdenken. Welches Bild mache ich mir von der Welt und der Wirklichkeit? Versuche ich, die Realität gemäss meinen Wünschen zurechtzubiegen? Bin ich offen dafür, auf die realen Verhältnisse zu schauen und meine Weltwahrnehmung zu korrigieren? Kann ich akzeptieren, dass Manches anders ist als ich es mir zurechtgelegt habe?
Da die Erde annähernd kugelförmig ist, kann jede Projektion der Kontinente auf eine Fläche nur eine Annäherung sein. Jeder Kartentyp realisiert zutreffende Aspekte und hat auch seine Schwächen. So ist es auch im übertragenen Sinn: Kein Mensch überblickt die gesamte Wahrheit, doch wenn wir aufeinander hören, können wir gemeinsam mehr davon entdecken. (jr)
