Drei Hütten
Es gibt diese Schlüsselmomente im Leben, Aha-Erlebnisse, in denen etwas Wesentliches wie in einem Brennglas auf den Punkt gebracht wird. Manchmal lassen sich solche Ereignisse im Augenblick noch nicht direkt erfassen, und erst im Nachhinein sind wir in der Lage, die Zusammenhänge wirklich zu begreifen. Oder die Erfahrung macht uns so perplex, dass wir gar nicht wissen, wie wir darauf reagieren sollen, und wir tun irgendetwas, worüber wir uns später selbst wundern.
Es gibt in den Evangelien eine Erzählung, in der es Petrus, Jakobus und Johannes, drei der engsten Vertrauten von Jesus, gerade so ergeht. Zu viert machen sie sich auf den Weg und besteigen einen Berg. Oben angekommen sehen die drei Apostel Jesus buchstäblich in einem neuen Licht. Er erstrahlt in überweltlichem Weiss und plötzlich sind die höchsten Autoritäten des jüdischen Glaubens, Mose und Elija, da und sprechen mit ihm. Die überwältigende Erscheinung veranlasst Petrus zu sagen: «Es ist gut, dass wir hier sind. Wir wollen drei Hütten bauen.» Später schärft Jesus den dreien ein, bis nach seiner Auferstehung über das Erlebte zu schweigen.
Ob die Idee mit den drei Hütten aus der Verlegenheit von Petrus entstand, oder aus seinem Wunsch, diesen einzigartigen Moment irgendwie festzuhalten? Ob sich die Verklärung überhaupt so abgespielt hat oder die Verbildlichung einer anderen Erfahrung ist, nämlich dass die Geschichte mit Jesus weitergeht und sich in ihm die Schriften erfüllt haben? Das können wir nicht mit Sicherheit beantworten. Die orthodoxen Kirchen sowie die römisch-katholische, die anglikanische und die altkatholische Kirche gedenken dieser Erzählung heute mit dem Fest der Verklärung Christi.
Welche Aha-Erlebnisse haben in Ihrem Leben einen besonderen Stellenwert? Wie haben Sie damals reagiert, wie wirken sie sich bis heute aus? Wir müssen keine Hütten, Paläste oder Denkmäler für sie bauen. Dass sie einen Platz in unseren Herzen haben und uns beseelen, erscheint mir kostbar und mehr als genug.
