Du bist wertvoll
In Manila dienen Zeitungen oft als Unterlage der Menschen, die auf der Strasse leben müssen: ein dünner Schutz zwischen Körper und Strasse. Wenn wir diese Bilder in den Medien sehen, assoziieren wir Armut damit. Und wir fühlen Mitleid, das sich jedoch schnell verflüchtigt, sobald das nächste Bild erscheint oder wir weiterscrollen.
Aus genau solchen Zeitungen wurde die Krippe gestaltet, die jetzt bei uns in der Bahnhofkirche steht. Armut ist da nicht nur Thema in Texten und auf Bildern, sondern bekommt in der Krippe ein Gesicht. In ihrer Mitte liegt Jesus – nicht fern vom wirklichen Leben, sondern mittendrin. Gott kommt in unsere innere und äussere Armut hinein. Er wählt keinen sicheren Ort, sondern unser reales Leben.
In der Krippe wird Armut auch nicht vorgeführt, sondern von Gott durchwirkt. Er wird Mensch und beginnt zu wirken genau dort, wo es kalt und eng ist, wo sich Armut in all ihren brutalen Facetten zeigt. Wir müssen nicht beschönigen, was in diesem Leben schwer bleibt. Aber wir dürfen neu entdecken, was unzerstörbar ist und was Gott uns zusagt: Jeder Mensch hat eine von Gott geschenkte unantastbare Würde und Schönheit, bevor jemand sie erkennt.
Vielleicht hilft uns diese Zeitungskrippe im Advent, damit nicht nur Armut und Mangel zu verbinden, sondern Verbundenheit und Nähe, dieses Ja Gottes zu uns Menschen. Sein bedingungsloses sich Einlassen auf uns genau da, wo wir arm sind und uns arm fühlen. Er sagt uns: Du bist wertvoll.
