Ein Augenblick

Da war doch diese mühsame Bewegung. An einem trüben Novembertag. Im Pflegezentrum. Im Zimmer, vor dem dunklen Fenster, stand ein Rollstuhl. Darin, mit dem Rücken zur Tür, sass die Frau. Vor sich auf dem Fenstersims ein paar flauschige Plüschtiere.

Ich ging zu ihr hin. Ob sie Freude an einem Besuch hätte. Ihre Augen nickten. Ihre Hand bewegte sich nach unten. Der Rollstuhl drehte sich etwas zu mir.

Wie es ihr gehe.

Stockend hörte ich: «Mir geht es gut. Ich bin gesund. Ich habe eine schöne Wohnung.» Ihre Hand versuchte eine weite Bewegung.

«Und ich habe ….». Ihre Hand wies zu den Plüschtieren. Ihre Augen lächelten.

«Die sind ja ganz flauschig», sagte ich.

Ihre Augen lachten mich an.

«Und …». Mühsam bewegte die Frau ihren Kopf. Ihre Augen blickten nach links oben.

Ich folgte ihrem Blick, drehte mich um und sah oben an der Wand ein Bild mit zwei flauschigen Hündlein.

«Die sind ja auch ganz flauschig», sagte ich.

Ihre Augen lachten mich an. Dann blickten sie wieder nach links oben. Ihr Blick weitete sich. Als ob sie weit weg etwas sahen. Ihre Augen strahlten. Dann kehrte der Blick zurück. Der Rollstuhl drehte sich wieder zum Fenster. Ihre Augen lächelten.

Einige Tage später kam ich an ihrem Zimmer vorbei. Das Namensschild fehlte. Mir fiel die Nachricht des Bestattungsamtes ein. Und diese mühsame Bewegung. Der Blick dieser Augen nach links oben. Ihr Strahlen. Als ob sie weit weg etwas sahen.

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