Ein kurzer Blick auf den See
Wenn ich am Morgen zur Bahnhofkirche gehe, wähle ich – wenn möglich – den Weg, auf dem ich den Zürichsee wenigstens für einen kurzen Moment sehen kann. Es gibt verschiedene schöne Routen von meinem Zuhause hin zur Bahnhofkirche. Trotzdem zieht es mich immer wieder dorthin, wo der Zürichsee sichtbar wird.
Mich interessiert, wie der See heute aussieht: welche Farbe er hat, welche Stimmung er ausstrahlt, wie sich seine Oberfläche bewegt. Der See ist für mich mehr als eine Landschaft. Seine Weite und ruhige, grosse Bewegung erinnern mich daran, dass es etwas Grösseres gibt als das, was mich im Alltag beschäftigt.
In diesem kurzen Augenblick richte ich mein Herz auf Gott aus. Der Blick auf den See wird zu einem einfachen Gebet. Er erinnert mich daran, dass ich nicht alles überblicken und nicht alles kontrollieren muss. Gottes Gegenwart ist grösser als meine Sorgen. Seine Ruhe trägt mich auch dann, wenn mein eigener Tag erst beginnt.
Darum gehört dieser kurze Blick auf den See für mich zu meinem Weg. Nicht, weil ich die Aussicht suche, sondern weil sie mich daran erinnert, worauf ich mein Vertrauen setzen möchte. (ve)
