Einatmen – ausatmen
Der Gottesname JAHWEH wird im Hebräischen ohne Vokale geschrieben, nur Konsonanten: JHWH. Man weiss bis heute nicht mit letzter Sicherheit, wie er ursprünglich ausgesprochen wurde. Aus religiöser Ehrfurcht wurde der Name oft gar nicht ausgesprochen.
Das Offenlassen, das nicht Festlegen, nicht Fixieren lässt irgendwie Raum für Atem, für Bewegung – zwischen den Konsonanten, aber auch in der Seele. Der Gottesname lässt sich eben nicht festhalten wie ein gewöhnliches Wort. Gott entzieht sich Definition und Kontrolle. Denn Gott ist nicht Bezeichnung, er ist Beziehung.
Manche deuten das Wort deshalb weniger als gesprochenen Namen, sondern als etwas, das eher geschieht als gesagt wird: nicht Sprache, sondern Vollzug, nicht Information, sondern Erfahrung. Der Name JHWH klingt ausgesprochen wie ein Atemzug: ein Laut, der entsteht, wenn Luft einströmt und wieder ausströmt. JAH – wie ein Einatmen, leise, offen, empfangend. WEH – wie ein Ausatmen, lösend, weitergebend. Kein festes Wort, sondern eine Bewegung, ein Rhythmus.
Es erinnert an den Anfang des Lebens. Ein Mensch wird geboren und das Erste, was geschieht: Er atmet ein. JAH. Und am Ende eines Lebens: der letzte Atemzug. WEH. JAH-WEH. Dazwischen liegt alles, was ein Mensch lebt. Und es wird getragen von diesem einen Rhythmus: einatmen und ausatmen.
Wenn man den Namen so versteht, dann ist Gott nichts Fernes und nicht nur ein Gedanke. Er ist nichts Fremdes, sondern etwas, das immer schon da ist. Im eigenen Atem. Gott ist gegenwärtig im einfachsten, was geschieht. Im Einatmen und Ausatmen. Im Leben selbst. (ve)
