Eine harte Nuss
Eine harte Nuss
Im Haus der Religionen in Bern wird auch Weihnachten gefeiert. Dazu sind die verschiedenen Religionsgemeinschaften in einen einfachen Gottesdienst im Kirchenraum eingeladen. Anschliessend zieht eine kleine ökumenische Gruppe mit Gesang durch das ganze Haus und geht die anderen Religionen bei sich besuchen. Wo jemand da ist, hält die Gruppe kurz an, und überreichen als kleines Geschenk eine Teemischung. Bei den meisten Räumen werden wir herzlich empfangen.In der Moschee werden wir sogar aufgefordert ein Weihnachtslied zu singen, was uns besonders freut.
Zuletzt kommen wir in den Hindutempel, wo wir vom Hauptpriester Sasi willkommen geheissen werden. Sasi ist wie immer sehr gastfreundlich, bietet uns auch Tee an. Zuletzt meint er, es wäre ihm wichtig, uns ein typisch hinduistische Weihnachtsgeschenk zu überreichen. Wir sind etwas erstaunt als er uns eine Kokosnuss überreicht. Die Kokosnuss, so Sasi, stehe im tamilischen Hinduismus für das Ego des Menschen. Man kann sie nur geniessen, wenn man die harte Schale aufsprengt und sie öffnet. Genau so sei es mit dem Ego. Es lässt sich nur geniessen, wenn es geöffnet wird.

| Bild: Pexels |
Auch wenn der Hinduismus die Jesusgeschichte nicht kennt, hat Sasi uns wohl eine der treffendsten Interpretationen von Weihnachten geliefert. Wenn wir bei der Erinnerung an die Geburt von Jesus oft sentimental und verletzlich werden, öffnen sich unsere Egos und bekommen Risse. Das kann in Verärgerung und Streit ausarten, kann aber auch eine Gelegenheit sein, einen selbst und die anderen wieder als echte Menschen mit Ecken und Kanten zu geniessen.