Eine Sichtweise auf die Dinge

Meldestellen für Glücksmomente? Ja, die gibt es in der Schweiz – teils seit über zwanzig Jahren. Offizielle Behörden sind es nicht, sie entstammen der Initiative des freischaffenden Journalisten, Dozenten und Soziologen Mark Ricklin. Der Ostschweizer suchte nach einem Gegenpol zu den so oft negativen und unerfreulichen Nachrichten, die tagtäglich auf uns einprasseln.

In einem Interview aus dem Jahr 2019 zitiert Ricklin den französischen Autoren François Lelord: «Glück ist eine Sichtweise auf die Dinge.» Und er führt aus: «Die Dinge kann ich oft nicht ändern, die Sichtweise auf die Dinge hingegen schon. Es kann zum Beispiel helfen, sich die flüchtigen Glücksmomente aufzuschreiben und immer wieder zu vergegenwärtigen – und plötzlich wird aus einem halbleeren Glas ein halbvolles, aus einem Problem eine Möglichkeit, aus einer Pechgeschichte eine Glücksgeschichte.»

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Inzwischen sind mehrere Meldestellen für Glücksmomente eingerichtet worden, etwa im Thurgau, in Solothurn, in der Zentralschweiz sowie in Österreich; sie sind über das Internet zugänglich. Auf der Thurgauer Seite hat z.B. Luna einen Glücksmoment veröffentlicht: «Gestern habe ich vergessen, unsere zehn Hühner rauszulassen. Es wurde also Nachmittag und mit einem schlechten Gewissen öffnete ich ihre Luke in die Freiheit. Eins nach dem anderen verliess den Stall. Es gab eine grosse Aufregung, es wurde gegackert und gescharrt. Sie sahen sehr glücklich aus in diesem Moment. Die Hühner haben mir wohl verziehen. Geteiltes Glück ist wundervoll.» So oft liegt das Glück in schlichten Dingen, wenn wir bereit sind, sie wahrzunehmen. Abendliches Erinnern oder Aufschreiben hilft, diesen Blick einzuüben und so glücksfähiger zu werden. Für welche Sichtweise entscheiden Sie sich heute?