Erntezeit
Erntezeit liegt in der Luft! Früchte aller Art füllen Regale oder Kellereien und erfreuen unsere Augen und unseren Gaumen. Weshalb freuen wir uns so auf die Ernte von Früchten und Getreiden und so wenig auf die Ernte unseres Lebens? Klar, Zurückschauen auf die eigenen Jahre ist nicht immer einfach. Da gibt es Momente der Freude, der Gelassenheit, aber auch Zeiten der Not und der Schwere. Aber war das nicht auch so bei den Früchten, welche wir in diesen Tagen ernten? Sie erlebten Hitze und Nässe, Wind und allerlei klimatische Gegebenheiten die sie einfach so aushalten mussten. Und nun freuen wir uns am Genuss von Apfel, Birne, Wein und Brot. So ist es auch mit unserem Leben: Nicht alles ist gelungen, nicht alles was wir tun trägt – im übertragenen Sinn – Früchte. Und doch macht jedes einzelne Leben Sinn! Wir alle kennen in unserem Leben das Gefühl von Sinnlosigkeit all unserer Bemühungen. Wenn es uns wieder einmal schwerfällt, an den Sinn dessen was wir tun zu glauben, hilft vielleicht folgende Geschichte:
Ein alter Mann grub in seinem Garten tiefe Löcher. Auf die Frage des Nachbarn, was er da tue antwortet der alte Mann: Ich pflanze Bäume! Der Nachbar erwidert: In deinem Alter wirst du wohl kaum mehr die Früchte dieser Bäume essen können. Nein, sagt der alte Mann, so lange werde ich nicht mehr leben, aber mir kam in den Sinn, dass ich mein Leben lang Früchte von Bäumen gegessen habe, welche andere Leute gepflanzt haben. Auf diese Weise möchte ich ihnen meine Dankbarkeit zum Ausdruck bringen. Und andere Menschen werden sich wieder an den Früchten freuen können.
Ein schöner Gedanke: wir sind eingebunden in einen Kreislauf! Die Frucht genügt nicht sich selbst, sie nährt andere und lässt ihre Samen für die nächsten Generationen keimen. Auch unser Leben, unser Tun hat einen Sinn – manchmal sehen wir ihn einfach nicht auf den ersten Blick.
