Etikette

Foto: Veronika Ebnöther

Früher trugen Apothekerflaschen unterschiedliche Etiketten. Weisse Etiketten mit schwarzer Schrift kennzeichneten unbedenkliche Stoffe, rote Schrift wies auf stark wirkende Substanzen hin, schwarze Etiketten mit weisser Schrift auf giftige Substanzen. Die Etikette gab Auskunft über den Inhalt, entsprach aber auch den finanziellen Mitteln des Apothekers und dem gewünschten Prestige-Effekt.

Auch wir Menschen tragen Etiketten. Manche werden uns von anderen gegeben: erfolgreich oder gescheitert, stark

oder schwach, begabt oder unscheinbar. Andere kleben wir uns selber auf und beginnen, an sie zu glauben. Mit der Zeit können diese Zuschreibungen wichtiger werden als das, was in uns lebt.

Das Evangelium weist in eine andere Richtung. Gott interessiert sich weniger für die Etikette als für den Inhalt, für uns. Unsere Identität liegt denn auch darin, dass Christus in uns wohnen will und wir mit ihm in Resonanz treten, uns prägen lassen von dieser Beziehung. Um schliesslich durchsichtige Gefässe zu sein, die Gottes Liebe für unseren ganz konkreten Nächsten durchscheinen lassen. (ve)