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Évian

Kommenden Montag vor 88 Jahren, am 6. Juli 1938, begann in Évian eine Konferenz. Nach der Machtergreifung Hitlers in Deutschland und dem Anschluss Österreichs hatte die Zahl geflüchteter jüdischer Menschen massiv zugenommen. 32 Staaten suchten nun Lösungen für das Problem.
Das Resultat war verheerend: Einzig die Dominikanische Republik erklärte sich zur Aufnahme zusätzlicher Menschen bereit. Die Schweiz fand, sie müsse sich einer «Überschwemmung» durch jüdische Geflüchtete erwehren.
Die Staatengemeinschaft hätte es in der Hand gehabt, zumindest einen grösseren Teil der Jüd:innen vor dem Tod zu retten. Sie tat nichts.

Juni 2026: Der Migrations- und Asylpakt der Europäischen Union tritt in Kraft. Mit ihm werden die Asylverfahren an die Aussengrenzen Europas verlegt. Wer wenig Chancen auf Asyl hat, soll möglichst schnell ins Herkunftsland zurückgeschickt werden. Und wer nicht zurückgeschafft werden kann, muss damit rechnen, in ein Abschiebezentrum verbracht zu werden.
Als Standorte dafür stehen Uganda, Ruanda, Libyen oder Usbekistan zur Diskussion.

Wer wird die Verhältnisse in diesen Lagern kontrollieren? Wer wird einschreiten, wenn dort Rechte verletzt werden? In Libyen gibt es bereits offizielle Internierungslager für Geflüchtete, die im Mittelmeer abgefangen wurden. Die Betroffenen und Flüchtlingsorganisationen berichten regelmässig von massiver Gewalt und menschenunwürdigen Zuständen. Kein europäisches Land übernimmt dafür Verantwortung.

Natürlich sind diese Zentren keine Konzentrationslager. Und niemand plant die Vernichtung der Geflüchteten. Die Verfolgung und Ermordung der Jüd:innen durch Nazideutschland ist in der Geschichte ohne Parallele.

Und doch erschreckt es, dass Europa ein weiteres Mal mit Abschottung auf Flüchtlingsnot reagiert und die Verletzung  von Menschenrechten in Kauf nimmt. (mb)

Abb: Myron Taylor (USA) spricht auf der Konferenz von Évian. Foto: United States Holocaust Memorial Museum. Wikimedia Commons