Freundliche Klänge
Wer von der Sihlquai-Passage den Zürcher Hauptbahnhof in Richtung Europaplatz verlässt, die Schritte verlangsamt und genau hinlauscht, wird vermutlich ein tiefes und irgendwie beruhigendes Brummen wahrnehmen. Folgt man diesem Klang, stösst man auf ein rundliches Gebilde, das wie ein grosser bläulicher Stein aussieht. Er gehört zu einem Werk des Künstlerduos Bruce Odland und Sam Auinger und ist ein Teil der Klanginstallation mit dem Namen «Harmonic Gate». Auf dem Platz sind drei «Steine» verteilt und die Klänge sind nicht statisch, sondern werden von den Umgebungsgeräuschen, die über Mikrofone aufgenommen werden, ständig ein wenig verändert.
Der Künstler Sam Auinger sagt über die Klanginstallation: «Das Kunstwerk erzählt eine andere Geschichte des Ortes und es hilft uns, die eigene Umgebung neu zu erfahren. Wir sind eingeladen, unsere Sinne zu stärken, die hörende Perspektive zu erleben». Wenn ich über den Europaplatz gehe, hüllen mich die «klingenden Steine» in eine heimelige Stimmung ein. Es ist wie ein sanfter Klangteppich, der sich über den Platz ausbreitet und den vorbeieilenden Leuten ganz unaufdringlich eine Botschaft mitgibt: «Schalte mal einen Gang runter und atme durch! Du bist geborgen, alles wird gut.»
Die Klanggebilde sind wie eine Einladung und bewusst so gestaltet, dass sie als Sitzgelegenheit genutzt werden können. Sie schenken mir die Ahnung einer tieferen Dimension: dass Gottes Schöpfung eigentlich als ein freundlicher Ort gedacht ist, an dem das Leben in all seiner Vielfalt Platz findet. Jede Person trägt mit jeder ihrer Entscheidungen dazu bei, ob wir uns darauf zu- oder davon wegbewegen – eine passende Erkenntnis für den Tag der Erde, den die Vereinten Nationen heute begehen. (jr)
