Friedenswille
Vor genau 80 Jahren trat die Charta der Vereinten Nationen in Kraft, die zuvor von Vertretern von 51 Staaten unterzeichnet worden war. Die Welt hatte die verheerenden Folgen des gerade beendeten 2. Weltkriegs vor Augen, der Slogan «Nie wieder Krieg!» war in aller Munde und in diesem Geist wurde die Charta formuliert. Über die ideologischen Differenzen hinweg bekannten sich die Gründungsmitglieder dazu, Interessen zukünftig auf der Basis von gewaltfreiem Verhandeln zu verfolgen.
Heute zählen die Vereinten Nationen 193 Mitgliedsstaaten und die UNO ist mit Generalversammlung, Sicherheitsrat, Wirtschafts- und Sozialrat, Treuhandrat, Sekretariat, Internationalem Gerichtshof und 17 Sonderorganisationen zu einem riesigen Komplex herangewachsen. Hier entstanden unzählige Initiativen für Menschenrechte und nachhaltige Entwicklung, doch es ist bei allem Aufwand nicht gelungen, nachhaltigen Frieden zwischen den Völkern zu schaffen. Im Gegenteil: Vermehrt werden Eigeninteressen wieder mit kriegerischen Mitteln durchsetzt und dabei Leben von Unbeteiligten geopfert.
Kann der Friedenswille der Gründungszeit wieder erstarken? Voraussetzung dafür ist wohl das deutliche Bekenntnis aller Beteiligten, dass jeder Mensch, jede Volksgruppe und jede Nation Existenzberechtigung und legitime Interessen haben. Diese Einstellung ermöglicht es, einander wirklich zu hören, besser zu verstehen und einen gerechten Ausgleich zu finden, der niemanden übervorteilt. Dieser Weg ist nicht einfach, er erfordert Mut und Geduld miteinander, damit Vertrauen aufgebaut werden kann, damit Wunden heilen können. Angesichts der Entwicklungen mögen manche diese Sicht für naiv halten. Doch es gibt sie, die Menschen guten Willens, die sich nicht einschüchtern lassen und immer mehr vernetzen. Das ist ein Zeichen der Hoffnung.
